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DJ Koze Amygdala


Pampa/Rough Trade 22.3.2013

von

Freilich ist das nicht ernst gemeint. Zumindest hoffen wir das. Mit dem Satz „AMYGDALA ist Kozes SGT. PEPPER!“ wird der Leser der Presseinformationsschrift zu DJ Kozes aktuellem Album gleich mal auf Spur gebracht. Wenn man das Beatles-Album als Synonym für einen gewissen unschuldigen Größenwahn im Pop ansieht, dann ist der Vergleich zu AMYGDALA vielleicht gar nicht so falsch. Das Album dauert 78 Minuten und ist damit natürlich viel zu lang für die die aktuelle Häppchen-Hörer-Generation. Neun der 13 Tracks haben Feature-Gäste, auch ein guter Hinweis auf den Größenwahn im Pop, darunter Caribou, Apparat, Matthew Dear, Ada, Milosh und einer, der eigene Erfahrungen mit viel zu langen Alben gemacht hat: Dirk von Lowtzow. Es gilt ja die Regel: Je mehr Features, desto weniger Homogenität. Wir nehmen an, dass diese gewisse Minimal-Not-Minimal-Electronica des Albums KOSI

COMES AROUND (2005) der Vergangenheit angehört. SGT. PEPPER bedeutet auch eine Art Bestandsaufnahme bisheriger Musiken zu einem Zeitpunkt X, die von den Bestandsaufnehmern ihren eigenen psychedelischen Odem eingehaucht bekommen. Egal, ob Matthew Dear jenseits der Wiedererkennbarkeit singt („Magic Boy“), ob Dirk von Lowtzow bekundet, die Welt „mit deinen Augen“ sehen zu wollen, ob das ursprüngliche Backing aus relativ trockenem Techno besteht – Koze verleiht jedem Track auf AMYGDALA eine einzigartige psychedelische Note. Es ist schön verstrahlter, neben der Spur liegender psychedelischer Electronica-Eklektizismus, der den Zusammenhalt auf diesem Album bringt. Exemplarisch: „Track ID Anyone?“ mit dem Gesang von Dan Snaith (Caribou). AMYGDALA hinterlässt den Hörer mit einem guten Gefühl der Ratlosigkeit. Und über das Cover könnte man auch noch seitenweise parlieren.


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