Drugdealer The End Of Comedy


Domino/GoodToGo

Wir sollen ja, wie wir wissen, kein Buch nach seinem Cover beurteilen. Und ein Album mag auch ungern über seinen Titel in eine Schublade befördert werden. THE END OF COMEDY hat Michael Collins (Salvia Plath, Run DMT) das erste Album seines Projekts Drugdealer genannt, und das entbehrt nicht einer gewissen Komik, weil der Song-Autor sich mit ganz „komischen“ Sachen beschäftigt und humorvoll die Absurditäten des Daseins besingt, was wiederum der Beziehung zu Drogen geschuldet sein könnte oder als Ergebnis der Erforschung des eigenen Unterbewusstseins jetzt so dasteht. Als Schmunzelbeilage fürs interessierte Publikum.

Collins hat sich bei der musikalischen Ausstattung dieser seiner Songs liebevoll nach hinten gewandt, über weite Strecken bedient er sich einer 70er-Jahre-AOR-Ästhetik, das verleiht den Geschichten eine gewisse Erdung. Hören wir hier etwa Paul McCartney auf dem Selbstfindungstrip in der Phase nach dem Beatles-Kollaps oder eine Referenz an die kunstvollen, eklektischen Kompositionen von Todd Rundgren? Für den Midtempo-Song „Easy To Forget“ holte Collins sich mit Ariel Pink kompetente Hilfe ins Studio, der hier sein lässigstes La-la-la-la über Steel- und Akus­tik-Gitarre schickt.

Das „Lala“ ist eh ein Faktor auf diesem Album, es dringt durch die vielen Fensterritzen in den Songs; draußen spielt eine Countryband und jemand pfeift gemütlich auf die Welt. Gegen diese kompletten Songs setzt Collins kurze Video- und Geräusch-Sequenzen, ein bisschen Jazz-Zauber und Instrumental-Skizzen mit reichlich Erklärbedarf: Ist das eine elektrische Schreibmaschine, die wir da gleich zu Beginn von „Theme For Alessandro“ hören? Klingt wie der Soundtrack zu einem Outro einer 40 Jahre alten US-Polizeiserie, die Cops stehen irgendwo unter einer Brücke und sind noch einmal mit dem Leben davon gekommen. Im Chill-out-Modus ziehen sie sich ein paar Drogen rein – legale Drogen, versteht sich. Das schmeckt analog.


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