Element of Crime Lieblingsfarben und Tiere


Vertigo/Universal

von

Im fortgeschrittenen Stadium wird es unhöflich, nach dem Alter zu fragen. Manchmal aber muss man. Element Of Crime feiern im kommenden Jahr ihren 30. Geburtstag. Ein gesegnetes Alter für eine Rockband. Ein Alter, das man LIEBLINGSFARBEN UND TIERE, ihrem 13. Album, anhört.

Allein der Titelsong: Ein Rhythmus wie für Rollatoren gemacht, eine Gitarre, die im Hintergrund jault wie ein getretener Hund, und Sven Regener singt davon, wie man dem kommunikativen Overkill mit Entschleunigung begegnet: „Denk an Lieblingsfarben und Tiere / Dosenravioli und Buch / und einen Bildschirm mit Goldfisch / das ist für heute genug.“ Ansonsten geht es um Autos, die erst anspringen, wenn man dagegentritt, um ein Wiedersehen im Baumarkt und um Liebe, die kälter ist als der Tod. Wenn dann gar nichts mehr hilft gegen die allumfassende Melancholie, dann setzt auch noch Regeners wimmernde Mariachi-Trompete ein.

Nein, Element Of Crime haben sich nicht neu erfunden. Kein Stück. Müssen sie aber auch nicht. Denn wenn es sie noch nicht gäbe, müsste man sie und ihre hingetupfte Schwergewichtigkeit unbedingt erfinden: Eine Band, die einem die Hand hält, wenn man merkt, dass man nicht jünger wird. Eine Band, die einem die Erbärmlichkeit des alltäglichen Lebens bewusst macht, aber die Lakonie, die einem darüber hinweghilft, gleich mitliefert. Eine Band also, mit der man getrost ins Rentenalter gehen kann: „Ein Trottel, der nicht versteht, dass das immer so weitergeht“, singt Regener. Es ist ein Trost. Nicht mehr, aber doch so viel. Fehlt nur noch ein Song über die Schönheit der Palliativmedizin.


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