Foals Everything Not Saved Will Be Lost Part 1


Warner

In einer Szene der grandiosen britischen Fernsehserie „Peep Show“ diskutieren die zwei Druffis und Bandkollegen Jeremy und Super Hans (wirklich) über ihre musikalische Ausrichtung, das „Big Beat Manifesto“. Super Hans rezitiert es: „Big Beats are the best, get high all the time“.

Über den Substanzen-Konsum der Foals kann man nur mutmaßen, aber Big Beats gibt es auf ihrem fünften Album (der Nachfolger soll schon im Herbst erscheinen) in bisher ungehörter Dichte. In diversen Instagram Stories konnte man Sänger Yannis Philippakis und seine Kollegen mit schrankartigen Synthesizern hantieren sehen, und bereits im langsam anbrennenden Opener „Moonlight“ blubbert es dahin wie in einem unbeaufsichtigten Labor.

„In Degrees“ hat eine Rave-Bassline, bei der Ecstasy-Flashbacks drohen, „Sunday“ erinnert zunächst dringend an Mobys New-Age-Comedown-Hymne „Porcelain“ und mutiert nach dreieinhalb Minuten zu einer Millennial-Version von „Born Slippy“ – nur singt Philippakis nicht über „Lager, Lager, Lager“ sondern darüber, dass er „something to feel“ will.

Kooperation

Neben diesen zwei Songs ist „Exits“ der dritte Schlüsselsong auf diesem Album: Er schlägt mit seinem groovigen Stop-Start-Rhythmus die Brücke zu älteren Platten wie HOLY FIRE (2013) und ist der einzige Song, der zumindest indirekt das thematisiert, was Damon Albarn die „angelsächsistenzialistische Krise“ seines Landes genannt hat – den Brexit. „I’m so sorry that the world is falling down, I wish I could gure it out“, singt Philippakis, der am Tag, an dem das verhängnisvolle Ergebnis der Volksabstimmung verkündet wurde, die Pyramid-Stage des Glastonbury-Festivals bestieg und versuchte, an den Eskapismus des Publikum zu appellieren: „Die Sonne scheint – lasst uns den Tag zu etwas besonderem machen!“

Fast alle Songs – bis auf die finale Ballade „I’m Done With The World (& It’s Done With Me)“ – scheinen mit ihren kanonartigen Vocals, ihren Drops, ihren Kuhglocken (in „On The Luna“, dem „My Number“ dieses Albums) wie gemacht für die großen Festival-Bühnen, die natürliche Heimat der Foals. Denn im Schlamm wird immer noch so getan, als ließe sich ein Konsens herstellen, als wäre Großbritannien nicht längst in zwei fast unversöhnliche Lager geteilt.

Anstatt sich auf eine Seite zu schlagen, spielen Foals zu einem nervösen, zappeligen Tanz auf. Das kann man als löbliches oder naives Unterfangen ansehen – auditiv ist es jedenfalls eine ganze Menge Holz. Den Drums des begnadeten Jack Bevan wurde jeglicher Reverb abgeschnürt, und obwohl Philippakis’ Vocals ständig an der Grenze zum Schreien sind, schaffen sie es kaum, sich Gehör zu verschaffen neben der Masse an Keyboard-, Synthie- und Gitarrenriffs, die um Aufmerksamkeit ringen und mal sehr effektvoll („On The Luna“), mal eher kakophonisch („Cafe d’Athens“) aneinander vorbeirasseln.

Es bleibt ein Eindruck, der in etwa dem von Jeremy in „Peep Show“ entspricht, als ihn sein Bandkollege an ihr „Big Beat Manifesto“ erinnert: „Als wir es aufgeschrieben haben, hatte ich das Gefühl, es sei eine viel allumfassendere Philosophie.“


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