Fucked Up

Glass Boys

Matador/Beggars

Die beste Punkband der Welt liefert einen bedrückenden Soundtrack zum Erwachsensein – und vielleicht ihren eigenen Abgesang?

Die menschliche Fehlbarkeit ist unendlich: nur weil wir schon viele schlechte Entscheidungen getroffen haben, heißt das nicht, dass wir nicht noch mehr treffen werden. Mit dieser Einsicht kämpfen die Kanadier Fucked Up auf ihrem vierten Album. Vorgänger DAVID COMES TO LIFE (2011) war eine lebensbejahende Prog-Punk-Rock-Oper, GLASS BOYS dagegen ist halb Klang gewordene Panikattacke, halb Urschrei-Therapie.

Die drei Gitarristen – Mike Haliechuk, Ben Cook und Josh Zucker – bauen nur noch vereinzelt die Fucked-Up-typischen, endorphingeladenen Gitarrenwände („The Art Of Patrons“), und breiten stattdessen abstrakte Klangteppiche aus („DET“) oder ergehen sich in Proto-Heavy-Metal- Stilübungen („Warm Change“). Damian Abrahams in Hardcore-Manier gebrüllte Texte sind ohne CD-Booklet kaum zu verstehen, aber Angst vor Elternschaft („We all make the same mistakes. We all pass it on“) und dem mentalen Verschleiß, den sein Beruf mit sich bringt („The way I make my living is driving me insane“), sind unter dem stumpfen Rauschen der Gitarren auszumachen.

Es klingt oft so, als wäre die Band kurz vorm Kollaps. „Glass Boys“, Schlusspunkt und Hymne des Albums, ist ein gutes Beispiel – unwiderstehlich nach vorne preschend, mit perfekt ineinandergreifenden Gitarren und einem glorreichen Refrain. Aber Zeilen wie „There’s a darkness at the end of the light that consumes me“ werden Fans im Hals stecken bleiben. Verlasst uns nicht, Fucked Up. Wir brauchen euch.