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Gordi Our Two Skins


Jagjaguwar/Cargo (VÖ: 26.6..)

von

Man hat Alanis Morissette vorgeworfen, ihr Smash-Hit „Ironic“ würde kein einziges Beispiel für Ironie enthalten. Falsch: Es geht darin zwar nicht um Ironie als rhetorisches Mittel, aber eben doch um Ironie des Schicksals. Und davon könnte auch Gordi ein Lied singen: Da hatte sie für ihr erstes Album RESERVOIR (2017) so schöne zarte Balladen aufgenommen – und, wumm, war durch einen Fehler im Presswerk bei einer ganzen Ladung dieser Platte auf der B-Seite der Stoner-Rock von Queens Of The Stone Age gelandet.

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Nicht viel besser lief’s jetzt beim zweiten Album der Australierin: Da hatte die studierte Medizinerin ihren Kittel und ihr Stethoskop an den Nagel gehängt, wollte ihr Album mit einer Tour in die Welt tragen – und nun schuftet die Junior-Doktorin wieder im Krankenhaus, wegen Corona-Notlage. Wir Sozialisolierte können trotzdem ihren wunderbar tiefen Mezzosopran genießen auf OUR TWO SKINS. Los geht’s mit den leitmotivisch schlichten Klavierakkorden auf dem Flugzugklo, im „Aeroplane Bathroom“ muss Gordi eine durch Selbsterkenntnis ausgelöste Panikattacke überstehen.

Das Album lässt viel Klangraum der markant-charakterstarken Stimme – mit der Gordi schon als Background-Sängerin von Bon Iver aufgefallen ist. Beim Zursprachebringen ihrer neu entdeckten nicht-monosexuellen Identität hätte sie vielleicht noch etwas klarer werden können, aber insgesamt ist ihr das Kunststück gelungen, ein Album zu machen mit super eingängigen Melodien, die mit ihren salzigen Noise-Details vor zu viel Wohlklangzuckerwatte bewahrt werden. So könnte Lorde klingen, wenn sie Aimee Mann nacheifern würde.

OUR TWO SKINS im Stream hören:


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