Gorillaz

THE MOUNTAIN

Kong/The Orchard (VÖ: 27.2.)

Damon Albarns Berg groovt zu kühnen Pop-Entwürfen, die sich auskennen in den Global Beats.

THE MOUNTAIN steht in Indien. Hier, am Ufer des Ganges, verstreute Damon Albarn die Asche seines Vaters. Hier trieb sich Jamie Hewlett herum, als seine Schwiegermutter einen Schlaganfall erlitt, von dem sie sich nicht mehr erholen sollte. Der Berg steht aber vor allem in einem Land jenseits aller geografischen Realitäten. Auf ihrem neunten Album begebend sich die Gorillaz auf eine Reise, die von der „Moon Cave“ ins „Orange County“ führt, von „Damascus“ nach „Casablanca“.

Anoushka Shankar und die Bollywood-Ikone Asha Bhosle lümmeln sich ebenso auf den Sitzen des Reisebusses wie Paul Simonon, Johnny Marr und IDLES. Der Sound besitzt – nein, keine indische Grundierung im strengen Sinne. Eher folgt er einer Vorstellung von Global Beats, die westliche Pop-Hegemonien hinter sich lässt, aber auch so artifiziell ist, dass jede Art von Ethnokitsch vermieden wird. Das führt zu einem Spektakel, in dem Operettenhaftes („The Happy Dictator“ mit den Sparks) neben Knalligem („The Manifesto“) steht, aber auch Platz für Melancholie lässt („The Empty Dream Machine“).

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Gleichzeitig verbeugt sich die Comic-Supergroup mit dem Album vor einigen, die nicht mehr leben. Proof ist zu hören, Tony Allen und Bobby Womack. Und: Was für ein Glück, dass Albarn bei den PLASTIC-BEACH-Sessions vor 16 Jahren Mark E. Smith offenbar mehr entlockte, als benötigt wurde: Das herausgebellte „Delirium“ schiebt dieses ansonsten formvollendete Album wenigstens ein wenig Richtung Anarchie. „The hardest thing is to say goodbye to someone you love“, heißt es in „Orange County“. Es stimmt.

Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.