Album der Woche

Hawa Hadja Bangoura


4AD/Beggars/Indigo (VÖ: 4.11.)

von

Nehmen wir irgendeinen Track, weil alle großartig sind, aber nehmen wir halt „Gemini“. Ein unbestimmtes Grummeln im Hintergrund, ein Hmhm, noch ein Hmm und plötzlich gibt es einen Rhythmus, bevor Hawa beginnt zu singen, eine Melodie, die zugleich afrikanisch klingt und soulig, vielleicht rappt sie auch eher, auch das bleibt unbestimmt, während immer mehr gesampelte Stimmen ineinanderfließen, alles wächst weiter, wird unübersichtlich, und ehe man es sich versieht, umfängt einen dieses wundervoll komplexe und zugleich eingängige Gebilde – und ist nach einer Minute und 46 Sekunden auch schon wieder vorbei.

Wenn man will, kann man auf den elf Tracks ihres Debütalbums HADJA BANGOURA hören, dass Hawa vor 22 Jahren in Berlin geboren wurde, in Guinea aufwuchs, als Teenager nach New York kam und klassisch ausgebildet wurde, bevor sie Rap und R’n’B entdeckte. Man kann aber auch einfach sagen: Niemand geht gerade so diffizil mit Klängen um, niemand schraubt dermaßen fantasievoll am Sampler, niemand lässt die Rhythmen so aus dem Takt stolpern, fängt sie wieder ein und berichtet wie nebenbei auch noch aus dem Innenleben einer homosexuellen und Schwarzen Existenz zwischen Afrika und Amerika, ohne aber auch nur geringste Abstriche am Popappeal hinzunehmen. Oder, anders gesagt: Hawa ist als Produzentin vielleicht noch kein Timbaland, ihre Musik ist vielleicht noch nicht ganz so fantasievoll wie die von Björk, und noch ist sie vielleicht auch kein Star wie Beyoncé. Noch.


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