Here We Go Magic Be Small


Secretly Canadian/Cargo VÖ: 16. Oktober 2015

Anfangs war Luke Temples Band Here We Go Magic eine Art Indie-Folkgruppe. Doch nicht erst mit der Zusammenarbeit mit Radiohead-Produzent Nigel Godrich auf A DIFFERENT SHIP (2012) hat sie eine eigene Form des Postrock entwickelt, die sich klarere Verweise auf die Vorbilder der 70er-Jahre erlaubt, als das noch bei der ersten Postrock-Generation aus Chicago der Fall war.

BE SMALL versucht nun ganz bewusst, keinen so großen Raum zu erschließen wie Godrichs Produktion. Here We Go Magic haben ihre Instrumente direkt ins Mischpult gespielt, was der Platte einen kompakten, fast ein wenig gedrungenen Sound gibt. Eindrücke der Weite entstehen hier eher durch den ausgiebigen Einsatz von Synthesizern, allerdings nicht nur analogen, die im nostalgischen Rückblick auf die Schrauber-Pioniere von vor 40 Jahren heute beinahe schon als „natürliche“ Instrumente durchgehen.

Der gleich auf einem Dutzend Sequencer-Spuren den Hörer einkreisende Opener „Stella“ klingt eher wie eine teure 80s-Produktion von Peter Gabriel (damals war so was noch teuer); in dem groovenden „Tokyo, London, US, Korea“ fließen die Sounds ungenauer Herkunft in einem unentrinnbaren Strudel zusammen. Temple, der sich ausdrücklich eine „optimistische“ Platte in Dur vorgenommen hatte, nennt als ungewöhnlich eindeutige Bezugspunkte den Song „Spinning Away“ von dem Eno/Cale-Album WRONG WAY UP (1990) und Robert Wyatts „Heaps Of Sheeps“ von SHLEEP (1997). Allerdings sollten, wenn hier schon Klarnamen fallen, auch Steely Dan zur Sprache kommen. Wegen dieser leicht distanzierten Eleganz, dieser großen Souveränität im Vortrag der acht Songs (und zweier Zwischenstücke). Das Ergebnis klingt jedoch zu keinem Zeitpunkt ironisch oder gar snobistisch, wie es Walter Becker und Donald Fagen immer wieder gerne getan haben. Im Gegenteil: Je öfter man BE SMALL hört, desto näher kommt einem dieses Wunderding von einer Platte.


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