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Album der Woche

Hiatus Kaiyote Mood Valiant


Brainfeeder/GoodToGo (VÖ: 25.6.)

von

Um noch prominentere Fans zu haben, muss man wahrscheinlich Gott oder die Sonne sein: Beyoncé, Jay-Z, Drake – sie alle stehen auf die Musik des zweifach Grammy-nominierten Quartetts namens Hiatus Kaiyote aus Australien. Prince hat zu Lebzeiten ihre Konzerte besucht und sie nach Paisley Park geladen.

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Ja, Hiatus Kaiyote, sie haben den Funk im Tank und den rhythmischen Blues – und mit Naomi „Nai Palm“ Saalfield haben sie das äußerst rare Glück, eine R’n’B-Sängerin am Start zu haben, die es stellenweise mit Beyoncé aufnehmen kann, ob ihrer nuancensuperreichen Intonation. Das zeigte sich spätestens 2017 bei ihrem Solodebüt NEEDLE PAW, wo Nai Palm übrigens von den David-Bowie-Erben grünes Licht für eine sehr spezielle Coverversion bekam.

Eine R’n’B-Sängerin, die es stellenweise mit Beyoncé aufnehmen kann

MOOD VALIANT nun ist eine Feier, dass man lebt – und zwar mit allen Registern und auf allen Klangfrequenzen, die einen orgiastisch befeuern. Bei Bass und Schlagzeug ist die Band ja eh Weltklasse (die bringt kein noch so fieser 5/4-Takt durcheinander!). Nun auf dem dritten Album der Band hat aber auch noch der brasilianische Komponist Arthur Verocai (zu dessen Fans wiederum Badbadnotgood und TV on the Radio zählen) cinematische Streicher und freche Bläser bei arrangiert. Obacht: betörende Flöten.

Die Power-Party hat allerdings triste Gründe, die nicht „nur“ in Corona liegen: Nai Palm hatte lebensgefährlichen Brustkrebs – und hat nach ihrer Titte (O-Ton Nai Palm) auch noch ihren geliebten Papagei Charlie verloren, mit dem sie laut eigener Aussage sämtliche Disney-Filme gemeinsam geguckt hat. Danach weiß man das Leben noch mal neu zu schätzen.

Kurzum: MOOD VALIANT (der Titel bezieht sich auf die beiden Valiant-Autos der verstorbenen Mutter, die je nach Stimmung die eine oder die andere Karre fuhr) ist genau das Album, das uns in die post-pandemische Glückseligkeit führt – und dort noch lange begleiten wird.


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