Hurts :: Happiness

Four Music/Sony Music

Wenn Käse zu Kunst wird, könnte das auch Thomas Gottschalk gefallen: Das lange erwartete (wirklich!) Debütalbum der Wave Popper aus Manchester.

Fachdiskussionen vor sechs Monaten zum Hype der Stunde: Entweder, so ist man sich nach dem ersten Deutschland-Konzert von Hurts in Berlin – und ihrem zweiten überhaupt – einig, wird diese Band in einem Jahr kein Schwein (mehr) kennen, oder sie wird bei „Wetten, dass …?“ auftreten. Zwischen dem neuesten Musical-Shit aus Hamburg und Lionel Richie und Lena Meyer-Landrut. Nichts gegen die beiden, aber damit ist nicht nur das Dilemma von Indie allgemein umrissen, sondern auch das mögliche Schicksal von Hurts, einem Duo aus Manchester. Mit den fünf Songs einer EP, die nie offiziell veröffentlicht worden ist, aber dann doch irgendwie den Weg ins Internet gefunden hat, verkaufen Theo Hutchcraft und Adam Anderson im Februar Berlins wichtigsten Indie-Club aus. Hurts als Indie-Band in der Wahrnehmung ihrer textsicheren Anhängerschaft, die ständig auf der Jagd nach dem heißen Scheiß ist, und Hurts als potenzielle Gäste bei „Wetten, dass …?“ in der Soundästhetik. „Wonderful Life“, eine 12-Inch die auch nie „offiziell“ veröffentlicht wurde, mit einem noch wonderfulleren „Arthur Baker Remix“ auf der B-Seite, ein Melancholie-getränkter Synthpop-Song, steht stellvertretend für die Musik von Hurts. Das ist watteweicher Sound mit Streichern aus dem Analog-Synthie, Pathos-triefender Gesang (man höre „Blood, Tears & Gold“ und „Water“), das sind Melodien für die ganze Familie, als deren einziges Regulativ die Texte fungieren, bitter-süße Worte über den Verlust von Beziehungen, Partnern, Menschen und der Angst vor diesen Verlusten. Für ihre Soundästhetik haben Hurts Tears For Fears, die balladesken Depeche Mode und Spandau Ballet gemolken und so lange gewartet, bis aus der auslaufenden Milch Käse geworden ist. Aber es ist nicht neu im Pop, dass scheinbar käsiger Inhalt einer künstlerischen Intention entsprungen ist. Hurts sind ein Gesamtkunstwerk, was alleine schon an der kunstvollen Band-Identität (artifizielle Schwarzweiß-Fotos von Anton Corbijn, strenge Frisuren, stylishes Outfit) abzulesen ist, die tief in den frühen 80er-Jahren verwurzelt ist. Letzte Meldung: Besuch aus München berichtet, „Wonderful Life“ wird auf Bayern 3 gespielt. Alles wird gut. Nächste Station: „Wetten, dass …?“

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Story S. 60