Jolie Holland :: Pint Of Blood

Anti/Indigo

Neuerdings schreibt die Amerikanerin auch Kochbücher. Hoffentlich würzt sie die gut, denn der Mix aus Blues, Country und Jazz, den sie hier auftischt, schmeckt eher fad.

Mit Jolie Holland verhält es sich wie mit der einzigen Bar im Ort: Wenn nichts anderes da ist, kann man es ganz gut mit ihr aushalten. Der Blues ist brüchig genug, um sich noch einen Whiskey zu bestellen; Country hat genügend Staub unter den Stiefelsohlen und der Jazz pafft der flotten Melodie schweren Rauch ins Gesicht – aber so richtig vom Hocker haut es einen nicht. Warum ihr Label Vergleiche mit The Velvet Underground, den Rolling Stones und David Bowie heranzieht, bleibt unklar. Näher dran ist die 35-Jährige tatsächlich an Townes Van Zandts Verzweiflung, Lucinda Williams‘ rauem Grollen und Eleni Mandells säuselnder Spitzfindigkeit. Dazu leiert Hollands Stimme bei Songs wie „All Those Girls“ und „Remember“ so ausgiebig, als schwanke unter einem der Boden. So ähnlich kennt man das von Tom Waits, der sich vor Jahren als Fan von Jolie Holland outete. Ihre Stärke ist deshalb auch nicht die Eingängigkeit, sondern die Sperrigkeit ihrer Songs. Auch auf Pint Of Blood macht sie davon nur sehr selten eine Ausnahme, wenn „Tender Mirror“ mit sanften Gitarrenklängen im Schaukelstuhl am Fenster sitzt oder „Wreckage“ den Trübsinnssuff mit Handclapping bekämpft. Ein Highlight aber ist „The Devil’s Sake“. Ganz hinten aus ihrer tiefen Kehle zerrt Holland wie in Trance einen Song hervor, der hoffen lässt, dass in diesem Album doch mehr steckt.

Key Tracks: „The Devil’s Sake“, „Tender Mirror“, „Wreckage“