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Kurt Cobain: Tod einer Ikone Regie: Benjamin Statler


Mit Verschwörungstheorien ist das so eine Sache. Für die einen sind sie der Weg ins grelle Licht der Wahrheit, für die anderen an den Haaren herbeigezogener Mumpitz – und dazwischen? Vakuum. Auch bei „Kurt Cobain: Tod einer Ikone“ verhält es sich nicht anders. Im Stile einer Billig-TV-Produktion strickt Benjamin Statler an einer einseitigen Argumentationskette, die beweisen soll, dass Kurt Cobain sich nicht selbst getötet hat.

Der Film stützt sich über lange Strecken auf die subjektive Wahrnehmung durch Privatdetektiv Tom Grant, der von Courtney Love engagiert worden war, um ihren Mann zu finden. Dieser wittert jedoch böse Absichten hinter den verwirrenden Angaben seiner Auftragsgeberin. Das Motiv ist daher für ihn klar: Cobain habe die Scheidung gewollt, seine Frau das große Geld, das ihr dank Ehevertrag durch die Lappen gegangen wäre. Love habe zudem schlampige Polizeiarbeit in die Hände gespielt. In den letzten 21 Jahren wurde der Mordfall Cobain bis ins kleinste Detail rekonstruiert und mit erstaunlich schlüssigen Argumenten untermauert, sodass auf den ersten Blick kein Zweifel mehr entsteht, dass der „Ikone des Grunge“ tatsächlich Unrecht angetan wurde.

In der Beweisführung lässt man jedoch eine wichtige Sache außer Acht: Wenn Courtney Love bei ihren Treffen mit Grant tatsächlich so high war, wie er behauptet, sind widersprüchliche Aussagen nicht verwunderlich – insbesondere, wenn sie von einer Frau kommen, die über die Jahre bewiesen hat, dass Realität und Fiktion in ihrem Leben allzu häufig verschwimmen. Von der eigenen Schlamperei wird hingegen einsilbig abgelenkt – im Gewächshaus, in dem Cobain sich im April 1994 erschoss, wurde nie nach ihm geschaut. Bei Helligkeit einen Vermissten auf seinem Grundstück suchen? Sich vorweg über das Anwesen informieren? Völlig abwegig.

Statt abzuwägen, zeichnet der Film mit ausgestrecktem Zeigefinger – guter Bulle, böse Courtney. Er, die Personifizierung der Vertrauenswürdigkeit, sie alles, was unsere Kinder vom rechten Weg abkommen lässt. In einer glaubwürdigen Dokumentation wäre für derlei Polemik kein Platz, in „Kurt Cobain: Tod einer Ikone“ wird jedoch nur auf einer Seite nach Argumenten für die eigene Meinung gegraben. Welche Indizien tatsächlich hieb- und stichfest sind, kann der Zuschauer dank des großen Interpretationsspielraums nicht durchschauen. So arbeiten Verschwörungstheoretiker – aber wie der Film schon sagt: You decide.


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