Manic Street Preachers :: Postcards From A Young Man

Columbia/Sony Music

Britpop: Mit Fanfaren ins Verderben.

Es gibt zwei verschiedene Versionen der Manic Street Preachers. Die des Vorgängeralbums Journal For Plague Lovers, bei dem die Band hinterlassene Texte des seit 15 Jahren verschollenen und mittlerweile für tot erklärten Gitarristen Richey Edwards kongenial zu einem Albtraum vertonte, in dem fickende Priester, Noah Chomsky, Klonschafe und Faustkämpfe ihren Platz fanden. Die Band bewies eine glaubhafte Punk-Haltung: unverhohlen, unverstellt. Und dann gibt es noch die Manic Street Preachers mit Texten des – nicht verschollenen – Bassistens Nicky Wire. Dieses hier ist so eines. Ganz in der Tradition von Send Away the Tigers (2007) ist es ein eher hinterlistiges Werk – gekleidet in Fanfaren und Fönfrisur-Melodien, aber doch mit doppelbödigen Texten, die eine große Wut offenbaren: auf eine Gesellschaft, die der Jugend keine Entwicklung bietet („Postcards From A Young Man“), auf den Körperkult („Auto-Intoxication“), nicht zuletzt um die grundsätzliche Aufforderung, Hässliches schön zu finden („I Think I’ve Found It“). Dass Duff McKagan, Glamrock-Poser und Manics-Idol, bei diesem Album als Bassist mitmacht, spricht als ironischer Kommentar vielleicht schon für sich. Die Manic Street Preachers sind noch nicht fertig mit der Welt. Der mit Send Away The Tigers 2007 eingeleitete zweite Frühling dauert an.

Sassan Niasseri

www.manicstreetpreachers.com

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