Midnight Sister

Painting The Roses

Jagjaguwar/Cargo (VÖ: 15.1.)

Dieser Retro-Weird-Pop ist zu groß fürs Wohnzimmer.

Kalifornischer Barock ist, was Midnight Sister auf seinem zweiten Album nun inszeniert: Ein psychedelisches Überschäumen im ewigen Sommer, und im Schatten sitzt der Tod. Juliana Giraffe und Ari Balouzian aus Los Angeles haben Standbeine in der Filmbranche, als Regisseurin und Kostümdesignerin, als Score-Komponist, und das merkt man nicht nur in den aufwendigen Videos, sondern auch am Cinemascope-Sound, der PAINTING THE ROSES, der gewissen Chamber-Pop-Anlage der Musik zum Trotz, schon bei Geburt zu groß macht für dein Zimmer.

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Und vor allem merkt man das in der Herangehensweise an die Musik: Klar, das ist zunächst einmal das übliche weirde Spiel mit dem Pop von 1965ff., wie man das etwa von Alex Izenberg kennt, für den Balouzian zuletzt arrangierte, von den Lemon Twigs oder Foxygen sowieso, aber Midnight Sister stellen ihre Konstruiertheit noch deutlicher aus. Wenn sie Glam Rock spielen – und sie spielen viel Glam – dann ist das wie beim Stück „Foxes“ eine Fantasie über Glam, ein völliges Überspielen, Chargieren beinahe, mit der Glam-DNA – inklusive dem Rollenspiel im Gesang, das Giraffe hier unentwegt vornimmt, eine Sonnenpop-Variante der Queen’schen Glamoperette.

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Dabei vergessen die beiden nicht die psychedelische Ballade, Disco-Flirts und Ausflüge ins Piano-Kabarett. Dass es inhaltlich hier natürlich um das eigene Konstruiertsein geht, um Zwischenidentitäten und Befreiung durch Masken, ist doch klar. Midnight Sister präsentieren sich hier als ein Duo, das in seiner Nische der Musikgeschichte vielleicht einmal die Grenzen verschieben kann.

„PAINTING THE ROSES“ im Stream hören:

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