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Moonlight

Regie: Barry Jenkins, USA 2016, Start: 09. März 2017
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„Every nigger is a star.“ Ganz früh hört man Boris Gardiners zarte Ghettofunkballade über schwarze Selbstermächtigung im Soundtrack von Barry Jenkins’ zweitem Spielfilm, dem poetischen und visuell eloquenten und in seiner erschütternden Intimität so ambitionierten „Moonlight“. Man darf den Song auch als Leitmotiv verstehen: „I have walked these streets alone, 20 years I have been on my own.“ 16 Jahre im Leben eines jungen schwarzen Mannes deckt der Film ab, aufgeteilt in drei Episoden, die ihn zunächst als Zehnjährigen zeigen, später als Teenager und dann als den jungen erwachsenen Mann, der er geworden ist und der sich selbst den Namen Black gegeben hat.

Und das ist eine Ansage: Um die ganze black experience soll es gehen, um die schwarze Erfahrung im Jahr 2016, festgemacht am Leben eines einzelnen Jungen, der in der Schule gehänselt wird, sich von seiner drogenabhängigen Mutter freischwimmen muss und in seiner fortgesetzten Einsamkeit mit sich selbst konfrontiert sieht: Black hat ein Bild von sich, dem er gerne gerecht werden würde, auch wenn ihm bewusst ist, dass er sich selbst belügt. Denn wenn Black wieder Chiron ist – wie er früher einmal hieß – ist er nicht nur ein schwarzer junger Mann, was nicht ganz einfach ist in einem Schmelztiegel wie Miami. Er ist auch ein schwuler junger Mann, was so gar nicht übereinstimmen will mit der Fassade des harten, abgebrühten Drogendealers mit martialischen Gold-Grillz, die er der Welt präsentiert: Seine Kumpels, die Zeit ihres Lebens darunter leiden mussten, von der Welt als „schwarze Gangster“ abgestempelt zu werden, zögern keine Sekunde, ebenso voreilig einen der Ihren mit Vorurteilen abzustempeln.

Ein Film über Masken und Selbsterkenntnis

Es ist ein Film über Masken und Identität und Selbsterkenntnis. Jenkins erzählt eine vermeintlich stereotype Geschichte, wie sie von „Boyz N the Hood“ bis „Straight Outta Compton“ jeder zweite Film über schwarze Jugendliche erzählt hat, aber er dreht und wendet und erfüllt sie mit überraschenden Noten und Details, bis etwas daraus entsteht, das sich wie seine Hauptfigur als ein in unerwarteten Farben erblühender Schmetterling entpuppt: ein Unikat, ein Original, ein Film wie kein anderer. Jenkins macht es sich nicht leicht und unterläuft Erwartungen: Er setzt Mozart ein, wählt elegante, fließende Bilder, gibt den Figuren mehr Tiefen und Untiefen. Gleichzeitig macht er es dem Publikum leicht, in diese so anders schimmernde Welt im Mondlicht einzutauchen. Und immer weiter in ihr schwimmen zu wollen.

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