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Neil Young & Crazy Horse Psychedelic Pill


Reprise/Warner

von

Man muss ja vorsichtig sein, vom „bes­ten Neil-Young-Album seit …“ zu reden. Vorschnelle Beurteiler wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder sehr schnell von der Realität eines Besseren belehrt. Auch Psychedelic Pill ist nicht frei von den üblichen, aber berechtigten Kritikpunkten am Spätwerk Neil Youngs: Selbstzitate und -plagiate in Lyric- und Songwriting. Psychedelic Pill aber ist ein kluges Album, weil es Text und Songwriting den zweiten und dritten Rang zuweist und sich auf die Stärken des Quartetts Neil Young, Frank „Poncho“ Sompedro, Billy Talbot und Ralph Molina verlässt. Das Album ist das Pendant zu den wunderbaren Liveperformances von Neil Young & Crazy Horse. Wo Songs wie „Down By The River“, „Cortez The Killer“, „Like A Hurricane“ und – wenn das Publikum großes Glück hat – „Cowgirl In The Sand“ lediglich als Ausgangsbasis benutzt werden für ausufernde, mal verhalten grimmige, mal giftig feuerspeiende Gitarrenimprovisationen auf dem swingenden Rhythmusfundament von Crazy Horse. Magische Momente, in denen das Bewusstsein ganz ohne chemische Hilfsmittel, ohne Psychedelic Pills, auf eine höhere Ebene gehoben wird. Die drei längsten Songs hier dauern zwischen 16 und 27 Minuten und sind keine Sekunde zu lang. Freilich ist dieses Doppelalbum auch die sentimentale Rückschau eines 67-Jährigen, der sich langsam seiner Sterblichkeit bewusst wird, da sprechen schon die Songtitel Bände: „Driftin’ Back“, „Born In Ontario“, „Twisted Road“. In letzter Zeit hat sich Neil Young gerne als Anwalt vermeintlich verloren gegangener uramerikanischer Werte geriert. Aber als Analytiker persönlicher Befindlichkeiten macht er eine weitaus glücklichere Figur. Wir empfehlen die Lektüre der äußerst schlecht geschriebenen, offensichtlich nicht lektorierten, an Redundanzen reichen, aber sehr ans Herz gehenden und deshalb wunderbaren Autobiografie „Hippie Dream“. Sie handelt auch ein wenig von den Hintergründen dieses Albums, Youngs Verhältnis zu Crazy Horse und einer Songschreibblockade, die so nicht bezeichnet wird.

Key Tracks: „Driftin’ Back“, „Walk Like A Giant“, „Ramada Inn“


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