Neil Young Storytone


Reprise/Warner

Von der intimen Coverversionensammlung A LETTER HOME ist es ein gewaltiger Sprung bis zu STORYTONE. Was sonst hätten wir von Neil Young auch erwartet? Er hat ein Album mit einem 92-köpfigen Orchester und Chor aufgenommen, die gute Nachricht dazu: Es klingt alles andere als prätentiös. Vertreter der vergleichenden Wissenschaft der Youngologie werden ihre Freude haben.

Die Streicher auf STORYTONE legen Spuren in die Buffalo-Springfield-Jahre, als Jack Nitzsche Neil Young ein orches­trales Entrée mit „Expecting To Fly“ verschaffte. Beinahe ein halbes Jahrhundert später kehrt Young mit „Who’s Gonna Stand Up?“ auf dieses Feld zurück und beginnt in den Streicherwinden zu fliegen, eine Anti-Fracking-Hymne auf den Lippen: „Who’s gonna stand up and save the Earth? This all starts with you and me“. Das ist der Ton, der dieses Album beherrscht, kurz unterbrochen von einem Bigband-Donner und zwei lederhäutigen Bluesrock-Standards, die an die seltsam „experimentelle“ 80er-Jahre-Phase erinnern, in denen Young die Alben RE-AC-TOR und EVERYBODY’S ROCKIN’ veröffentlichte. „I Want To Drive My Car“ ist der einzige Durchhänger in diesem Programm der auf Filigranspannung gebauten Orchestersongs und Balladen, der kleinen Liebesserenaden, die vom Glück erzählen, einen Menschen beim Einschlafen zu beobachten und von den Träumen, die noch morgens im hübschen Haar hängen. So sanft hat man ihn lange nicht mehr gehört. Und weil Young selbst noch einmal den Vergleich suchte, hat er alle Songs in Solo-Versionen auf eine weitere CD gepackt, und solo meint hier mit akustischer Gitarre, Mundharmonika und Piano.

Die heruntergestrippten Tracks sind im Universum Youngs so etwas wie die Remixe. Sie suchen ihre Vorbilder in den klassischen 70er-Jahre-Aufnahmen. STORYTONE ist dann auch nicht weit davon entfernt, einen Platz in der Reihe der frühen (EVERYBODY KNOWS THIS  IS NOWHERE, HARVEST) und späten (PSYCHEDELIC PILL) Meisterwerke von Neil Young zu finden. Knapp dahinter spielt diese Musik, und knapp dahinter hört das Träumen noch lange nicht auf.

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