Album der Woche

Nichtseattle

HAUS

Staatsakt/Bertus (VÖ: 12.4.)

Dichten und denken: Die Songs der Liedermacherin finden vom Überleben zum Leben.

Fangen wir mal ausnahmsweise nicht mit den Texten an. Die sind eh großartig, klar. Besteht doch die Gefahr, dass die visionäre, assoziative und doch auch sehr analytische Lyrik, die Katharina Kollmann schreibt und singt auf ihrem dritten Album als Nichtseattle, die Musik, die diese Gedichte begleiten, in den Schatten rückt. Dabei ist auch diese Musik ziemlich großartig, denn nicht nur ist die Berlinerin eine begnadete, wenn auch sehr unkonventionelle Gitarristin, auch ihre Band setzt, da hat sicherlich Produzent Olaf Opal zu beigetragen, die wenigen Töne genau an die richtigen Stellen.

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Diese Band erweitert das Soundspektrum von Nichtseattle, das auf dem letztem Album KOMMUNISTENLIBIDO (2022) noch aus Stimme, Gitarre und gelegentlichem Flügelhorn bestand. Im Zentrum aber steht weiter Kollmanns lichte, helle Gitarre, die nicht das Riff sucht und auch nicht den Takt vorgibt, sondern ihre Singstimme eher umspült, sie stützt, kommentiert, das Zwiegespräch mit den Worten und Sätzen sucht.

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Worte und Sätze, die auf HAUS – weniger marxistisch durchdrungen, aber trotzdem konzentrierter noch als auf KOMMUNISTENLIBIDO – wieder aus dem Privaten das Politische entwickeln, aus dem Alltag zur feministischen Praxis kommen und aus dem Überleben zum Leben finden. Und zwar dermaßen schlüssig, wortmächtig, einfühlsam, kunstvoll mäandernd und doch auf den Punkt, wie man es hierzulande zuletzt vielleicht von Maike Rosa Vogel gehört hat. Deutschland soll ja angeblich das Land der Dichter und Denker sein. Nach HAUS ist es zumindest das Land einer Dichterin und Denkerin.

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