Nine Inch Nails Bad Witch


The Null Corporation/Caroline/Universal

Warum BAD WITCH mit 30-minütiger Spielzeit als Album vermarktet wird und nicht wie die beiden, geringfügig kürzeren Vorgänger NOT THE ACTUAL EVENTS (2016) und ADD VIOLENCE als EP, wo die drei Werke doch zusammengehören, wollte ein User auf dem NIN-Fanforum „Echoing The Sound“ wissen. Trent Reznor antwortete persönlich: Weil Singles und EPs bei Streamingdiensten unterhalb von Alben gelistet und so leichter ignoriert werden. Warum sollte man das also wollen? Und warum sollte man sich als Fan darüber aufregen, wenn die Band das Album zum Preis einer EP anbietet. Abschließend empfahl Reznor dem Interessierten, seinen ganzen Schwanz zu lutschen.

Das erinnert an Jay-Zs „99 Problems“-Zeile „You can kiss my whole asshole‘“. Beiden geht’s ums Ganze! Uns geht’s ums Produkt.

Wie verhält sich BAD WITCH also im Kontext? Der handclappende Powerrocker „Shit Mirror“ stellt dank umfassender Verzerrung die mutigere Variante von „Less Than“ auf ADD VIOLENCE dar, „Ahead Of Ourselves“ passt mit seinen Peitschenhieben gut zur Aggression von NOT THE ACTUAL EVENTS. Das instrumentale „Play That Goddamned Part“ mit seinem schlingernden Saxofon bildet ein Präludium zur Synthiepop-Single „God Break Down The Door“. Die Hexe lässt sich nur im weiteren Instrumental „I’m Not From This World“ erahnen.

Bassgewummer treibt den Hörer wie eine dunkle Macht immer tiefer in den Blair-Witch-Wald, hin zur Plärr-Witch Reznor, minutenlang, bis das Stück dann überraschend auf einem vergnüglichen Beat endet und in den Trip­Hop von Closer (get it?) „Over And Out“ überführt.

Fazit: Für ein NIN-Album zu kurz, Fellatio hin oder her, Vorhaut vor oder zurück. Als sein letztes Drittel macht es das Gesamtwerk aber zu einem vielseitigen Erlebnis, bei dem vieles überwältigt, allem voran die anhaltende Manie des Mitt-50ers Reznor.


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