Album der Woche

Poppy Ajudha The Power In Us


Virgin Music (VÖ: 11.3.)

von

Eigentlich ist „Mothers Sisters Girlfriends“ schon vorbei, da taucht der Refrain, in dem es darum geht, dass Frauen immer nur in Beziehung zu Männern, eben als Mütter, Schwestern, Freundinnen definiert werden, aus der Stille noch einmal auf. Wie ein Schatten ihrer selbst schweben die Worte nun durchs Ungefähre, ein schönes Bild dafür, dass auch der Sexismus nicht einfach verschwindet, sondern zäh ist wie ein Untoter.

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Und ein schönes Beispiel dafür, wie Poppy Ajudhas Future-Soul funktioniert. Die unter Mithilfe von Branchengrößen wie Wyn Bennett, Karma Kid, Joel Compass oder Wes Singerman entstandenen Beats rotieren auf ihrem Debütalbum THE POWER IN US in die Zukunft, und Keyboardflächen zaubern dermaßen drei Tage Regenwetter, dass eine nostalgische Sci-Fi-Stimmung entsteht, eine Art „Blade Runner“ zum Hören.

Darüber dekliniert die Mittzwanzigerin aus London, die Wurzeln in der Karibik besitzt und in UK längst Streaming-Star und Nike- Werbegesicht ist, mit einer Stimme wie Adele und der Laune von Billie Eilish die Themen durch, die Menschen in ihrem Alter umtreiben von identitäts- und geschlechterpolitischen Fragen bis zum Kampf gegen den Klimawandel und die Folgen des Kolonialismus. „Who am I supposed to be?“, fragt sie in „Land Of The Free“ und gibt statt einer Antwort eine Handlungsempfehlung: „Protest for the right to be / Protest until they see us!“ Man soll ja vorsichtig sein mit solchen Diagnosen, aber womöglich ist THE POWER IN US die Geburt der neuen Stimme einer Generation.


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