Raf Rundell  Stop Lying 


Es ist schon erstaunlich, wie wenig es heute braucht, um sich gedanklich Richtung Weißes Haus schicken zu lassen. Manchmal reicht da schon ein Albumtitel – und schwupps, ist er schon da, der Assoziationsstrom, den Raf Rundell im Intro von STOP LYING sogleich mit einem Sample befeuert, auf dem einer erstaunt fragt, was wir uns alle zuweilen fragen: „How did you get there?“ Dabei ist es weniger der Trumpismus, mit dem sich Rundell – der auch mit Joe „Hot Chip“ Goddard unter dem Disco-Pop-Alias The 2 Bears tätig ist – hier auseinandersetzt.

Vielmehr geriet STOP LYING, der Nachfolger des Mini-Albums THE ADVENTURES OF SELFIE BOY, PT. 1, zu einer Platte, die tief in die Abgründe unseres hyperbeschleunigten Zeitalters der beginnenden technologischen Fremdbestimmung hineinblickt – in ihrer eklektischen Soulfulness jedoch auch etwas Abhilfe offeriert. Rundells tausendschöne Blue-Eyed-Soul-2.0-Meditationen („Within Without“), seine Exkurse in die Disco („Sweet Cheeks“), in den Hip-Hop („Ric Flair“) oder in das Synthie-Pop-Pathos der 80er („Falling Out“) dürften jedenfalls auch dem hartnäckigsten Aufmerksamkeitsdefizit eine Weile trotzen.  


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