Roisin Murphy Overpowered


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Begutachtet man die folgende Frage unter frauenemanzipatori- schem Gesichtspunkt, mag sie verräterisch wirken: Haben Sie sich auch schon gefragt, wie wichtig Produzent Matthew Herbert für das Gelingen des großartigen Roisin-Murphy-Debüts RUBY BLUE war? Und wie wichtig war ihr Partner Mark Brydon bei Moloko? Doch diese Fragen sind gar nicht so verdächtig: Sie werden und wurden auch schon bei Robbie Williams, Michael Jackson oder Justin Timberlake gestellt. Und auch Roisin Murphy kann prinzipiell diese beiden Sachen hervorragend: singen und entertainen. Nimmt man ihr allerdings den Visionär Herbert weg und stellt ihr dafür ein zwar namhaftes, aber letztlich beliebiges Produzententeam u. a. mit Seiji (Bugs In The Attic), Andy Cato (Groove Armada), Veteran Jimmy Douglass und Richard X (hat die halbe Welt produziert bzw. remixed) zur Seite, kommt dabei ein Album wie OVERPOWERED heraus. Dieses ist nun nicht nur der im Titel genannten Eigenschaft absolut unverdächtig, es ist sogar ausgesprochen lahm. Und ja, vielleicht trotzdem das Album, das wir uns von Kylie Minogue immer gewünscht haben…Aber von Roisin Murphy? Wollen wir bei all ihrer neu erweckten Liebe zu Patrice Rushen, Jimmy Bo Horn und Diana Ross keinen House- und Discopop (mehr) haben, der nur für einen Moment, einen Trick, einen Move flirrt und glitzert. Auch wenn die mal Gary-Numan-breiten, mal wie beim kleinen Prince fiependen Synthesizer, die echten Larry-Gold-Streicher und die nach- empfunden Chic-Gitarren, der ewig fluide Beat einem noch so geschmeidig um die Hüften fahren. Aber spätestens, wenn uns ein fahler 90s-Discostandard wie „Let Me Know“ oder der biedere Donna-Summer-/Eurythmics-Klon „Movie Star“ entgleitet wie ein Wodka-Mischgetränkeglas mit Kondenswasserfilm, wenn selbst Miss Murphys eigentlich für unverwechselbar erklärte Stimme vorbei rauscht wie die einer zwar gewaltigen aber letztlich namen- und gesichtslosen Clubhouse-Diva, hat der Geist der vergangenen Tanznacht diese Platte schon zu sich geholt. Und gibt sie nicht mehr her.

Oliver Götz – 15.10.2007

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