Sam Smith Gloria


Capitol/Universal (VÖ: 27.1.)

von

Von den heimlichen sexuellen Exzessen eines nur vordergründig braven Ehemanns erzählt der kecke, synthesizergetriebene und mit dem Hyperpop flirtende Song „Unholy“. Im dazugehörigen Musikvideo begleiten wir den Protagonisten in ein verruchtes, dem legendären L.A. Sunset Strip Club „Body Shop“ nachempfundenes Etablissement. Uns erwarten gelebte Promiskuität, fluide Gendergrenzen und Sam Smith, lasziv auf einer mit antiken Statuen geschmückten Bühne tanzend: Willkommen im queeren Paradies, willkommen auf GLORIA.

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Das vierte Album des nonbinären Popstars aus England ist ein launiger Mix aus verschiedenen Genres, die Sam Smith mutiger als zuvor mischt, ohne dabei jene gefühlvollen, von sanften Piano- oder Gitarrentönen untermalten Balladen zu vernachlässigen, die ihn groß gemacht haben. So wagt sich die Queer-Ikone auch an eine etwas zu generisch klingende elektronische Tanznummer („Lose You“), überzeugt mit zwei souligen R’n’B-Tracks („Perfect“, „Six Shots“) und überrascht im Titelsong mit sakralem Chorgesang.

Während Smiths virtuose Stimme so gut wie durchgehend begeistert, schimmern Mut und Energie von „Unholy“ auf dem Album dann leider doch nur gelegentlich durch, zum Beispiel auf dem kraftvollen Gute-Laune-Hit „Gimme“ mit der Reggae-Künstlerin Koffee und der kanadischen Sängerin Jessie Reyez. Dennoch ist GLORIA ein munteres, packendes und vor allem sexy Pop-Album.


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