Scenes From The Suburbs Die Vorstadt und das Grauen


MJZ

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Sie sind häufig der Mittelpunkt amerikanischer Serien und Filme: Die idyllischen Vorstädte, in denen man einander stets freundlich grüßt an den frisch gestrichenen weißen Gartenzäunen. Doch dieser Schein trügt oft genug, denn hinter der scheinbar perfekten Fassade lauern nicht selten seelische Abgründe oder unberechenbare Gefahren. Mit diesen Kontrasten arbeitet auch der von Regisseur Spike Jonze in Zusammenarbeit mit Arcade Fire produzierte Kurzfilm (28 Minuten) „Scenes From The Suburbs“, der an das Erfolgsalbum „The Suburbs“ anknüpft. So gibt es die verklärenden Erinnerungen des Protagonisten an seine scheinbar unbeschwerte Jugendzeit in der wohlbehüteten Vorstadt kennen zu lernen. Hinter dieser Idylle verbirgt sich jedoch eine beklemmend-verstörende Atmosphäre der allgegenwärtigen Militärpräsenz, denn hinter den Stacheldrahtzäunen, die die Vorstadt umgeben, herrschen Krieg und Ausnahmezustand. Überwachung und Durchsuchung stehen an der Tagesordnung. Inmitten dieses düsteren Klimas versuchen die Teenager sich ihre eigene Parallelwelt zu erschaffen, indem sie Partys feiern, Musik hören oder einfach nur auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Eine Sinnsuche, die sich durch den gesamten Film zieht – begleitet von der Musik von Arcade Fire. Das kleine Science-Fiction-Vorstadt-Utopia trifft einen sensiblen Nerv und entlässt den Zuschauer mit dem beklemmenden Gefühl, dass der Krieg an jeder Ecke lauern könnte.

„Scenes From The Suburbs“ wird voraussichtlich ab Mai als DVD erhältlich sein. Zu Hören gibt es die Arcade Fire-Songs „The Suburbs“, „Suburban War“, „Month Of May“ und „Sprawl I“ (Flatland).   


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