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Shungudzo I’m Not A Mother, But I Have Children


BMG (VÖ: 18.6.)

von

Dieses Album ist gut und es ist voll, es gibt Stränge, die hineinlaufen und herauslaufen und sich kreuzen. Dahinter steckt Alexandra Shungudzo Govere, simbabwischamerikanische Renaissance-Frau: Sie war als neunjährige Turnerin die erste Schwarze Athletin Simbabwes bei den Panafrikanischen Spielen, leitete mit 15 eine internationale Hilfsorganisation zur Unterstützung von AIDS-Waisen, studierte Ingenieurswesen an der Stanford University, stand mit 21 für eine Reality-TV-Serie auf MTV vor der Kamera und hat nun ein Debütalbum aufgenommen, das mal eben stilistisch wie thematisch die Welt schluckt.

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Poetisch versteckt wird der Aufruhr hier nicht. Das mag im Einstieg „Black Breath (Intro)“ ein wenig plakativ sein, wenn „I have a dream“ auf „I can‘t breathe“ gereimt wird, aber schon wenn der finale Gospelpart des Intros in ein bläsersattes Bossa-Arrangement und den Post-Hippie-Instant-Classic „It’s A Good Day (To Fight the System)“ übergeht, zeigt sich: Das ist in Traditionslinie von Kendrick Lamars TO PIMP A BUTTERFLY oder Janelle Monáes DIRTY COMPUTER ein Rundumschlag zwischen Beobachtung und Aktivismus, der aber über den Horizont Schwarzer Realität und rassistischen Alltag hinausgeht.

Shungudzo betrachtet Unterdrückungsverhältnisse und innere Unruhen komplex, von Elternschaften zu Social Media, und lädt zu Selbstreflexion und Self-Love ein. Auch wenn das nie Monáes künstlerische Ausnahmestellung erreicht: deren die Genres auflösender Superpop-Approach kann auch als musikalische Referenz herhalten. Funkenschlagender Pop und Protestsong kann zusammenpassen, sagt I’M NOT A MOTHER BUT I HAVE CHILDREN: Es gibt Gitarren, es gibt ausproduzierten R’n’B, und das Finale „Already Free“ ist ein Doo-Wop-Gospel. Ein energetisches, cleveres Album, das lediglich an einigen Stellen schwebender, raffinierter hätte geraten dürfen, um nachhaltig relevant zu sein.


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