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Sinkane Life & Livin’ It


City Slang/Universal

Die Band meditiert beinahe im Disco-Beat, das Publikum im Club groovt vornehm mit. Der Sänger trägt feinen Zwirn, Krawatte und Hut. Hier feiern diejenigen, die irgendwo angekommen sind. Schnitt: Ein Fernseher zeigt Schwarz-Weiß-Nachrichten aus den USA, ein brennendes Auto, schwer bewaffnete Soldaten, Szenen einer Festnahme.

Es gibt noch eine dritte Ebene im Video zur neuen Sinkane-Single „U’Huh“, sie erzählt von der Inszenierung der Schönheit: Diese Bilder könnten einem Foto-Shooting für eine afro-amerikanische Fashion-Kollektion entstammen. Auf seinem neuen Album LIFE & LIVIN’ IT bringt der sudanesisch-amerikanische Multiinstrumentalist Ahmed Gallab Elemente dieser Sphären in unterschiedlichen Kombinationen zusammen, sie bilden das Fundament einer sanft mäandernden Crossover-Musik: eine Feelgood-Party mit pychosozialem Futteral. #

Die Fragen an sich selbst, an die Brothers und Sisters, die schwer zu tragen haben, sie lauern an jeder Ecke. Gallab findet aber keine Antworten in einem offensiven Afrofuturismus, er träumt sich lieber mit seiner Band in einen „Favorite Song“, und der lässt seine Wurzeln in der traditionellen Musik der Sahel-Zone erahnen.

Andernorts lösen sich Herkunftshinweise in einer Art von Adult Orientated Disco auf, der ein fabelhaft falsettierender Sänger vorsteht. Zum Strobo-Beat von „Telephone“ wünscht man sich eigentlich nur noch Donna Summer als lustvolle Diseuse dazu: „You keep on callin me baby“.

Mit den Alben MARS und MEAN LOVE war Gallab aus seinem Mitmusikerdasein in Reihen von Caribou, Of Montreal und Yeasayer herausgetreten, um sich als Künstler in seinem eigenen Recht vorzustellen. Er tat das in lauter aufregenden Grenzregionen zwischen Psych-Funk, Afrobeat, Spiritual Jazz, Pop und Kraut, er inspizierte die Texturen der Vielfalt. LIFE & LIVIN’ IT ist um die Komponente der Clubmusik reicher, diese Tracks tänzeln auf einem Bein ganz elegant, mit dem anderen kicken sie uns in den Arsch, formvollendet natürlich.


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