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Suuns Hold/Still


Secretly Canadian/Cargo

Die Alternative-Szene von Montreal zeichnet sich nicht gerade durch Pop-Leichtigkeit aus. Man denke nur an all die Bands vom Constellation-Label (Godspeed You! Black Emperor, Fly Pan Am), an Arcade Fire oder Wolf Parade. Noch eine Spur dunkler spielen Suuns. „Suhns“ wird der Bandname ausgesprochen, der aus dem Thai stammt und „Zeroes“ bedeutet. Als kryptisch und düster bezeichneten sich die vier jungen Männer einmal selbst, als „Nullen“, die diesen Status als Musiker hinter sich ­haben.

Wo Suuns auf ihren beiden ersten Platten noch ein Licht anhatten, wird auf HOLD/STILL die letzte Birne ausgedreht. Krautrock kommt nur noch in homöo­pathischen Dosen vor („UN-NO“, „Infinity“), treibende Beats finden außer im manischen „Careful“ fast gar nicht mehr statt, Rockstrukturen und Shoegazing wurden auch weitgehend ausgelöscht und die Melodien in diesem Zuge gleich mitzerstört. Deswegen greifen auch die ewigen Vergleiche mit Clinic nicht mehr richtig, eher erinnern Suuns nun an ­Liars auf schlechten Drogen.

HOLD/STILL klingt sehr grimmig, oft enervierend, dissonant, verspannt, klaustrophobischer und viel elektronischer als ZEROES QC (2010) und IMAGES DU FUTUR (2013). Die Kana­dier haben diese beiden Alben hinter sich gelassen und wagen sich nun erfolgreich an Math-Rock à la Battles („Translate“) und gestörten, knatternden Dubstep („Brainwash“). Rare Momente der Gelöstheit finden sich allerhöchstens in „Mortise And Tenon“ und in dem song­ähnlichen „Nobody Can Save Me Now“. Momentaufnahmen nur, denn HOLD/STILL bleibt trotzdem eine fordernde, abgründige und verdammt reizvolle Platte.

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