Teebs E S T A R A


Brainfeeder/Ninja Tune/Rough Trade

von

Vielleicht werden die späten Nuller- und die frühen Zehnerjahre als eine Ära in die Geschichte der Popmusik eingehen, in der es nicht diese eine Muss-man-hören-um-(nicht)-dazuzugehören-Musik gegeben hat. Sondern viele verschiedene Splittermusiken, die sowohl als Hipster-Ausweis als auch als Distanzierungs- und Sezessionsmodell zum Hipstertum fungierten. Eine dieser Musiken ist die Musik auf Brainfeeder, dem Label von Flying Lotus aus Los Angeles.

Instrumental HipHop, der sich in Rekomposition, Reorganisation und Phasenverschiebungen von Texturen und Sounds gefällt, was in der Summe zu ziemlich melodischen Ergebnissen führt. Brainfeeder-Musik, in diesem speziellen Fall die des Produzenten und bildenden Künstlers Mtendere Mandowa aka Teebs, wird nach der popmusikalischen Ewigkeit von sechs Jahren immer noch nicht als langweilig wahrgenommen. Das könnte daran liegen, dass sie in der Lage ist, ihr Geheimnis zu wahren – im Gegensatz zu vielen anderen zeitgenössischen Phänomenen wie Post-Dubstep und Chillwave.

Das Geheimnis von E S T A R A (spanisch für „werden“), dem zweiten Album von Teebs, liegt auch in der Unergründlichkeit der (Sample-) Quellen, die sich hier zu atmosphärischen Gebilden verdichten. Selbst der Gesang von Jonti (Danilewitz) in „Holiday“ klingt nicht wie Gesang. Es ist der seltsame Kontrast zwischen Romantizismus und dem Geist der Avantgarde, der diese Musik wie eine postmoderne Collage aus zerfetzten Gemälden von Caspar David Friedrich wirken lässt. Nur einmal wird E S T A R A sehr konkret. Ganz am Schluss des Albums, wenn Lars Horntveth von Jaga Jazzist in „Wavxxes“ die Töne seiner Bassklarinette über dieser außerweltlichen Atmosphärenmusik kreisen lässt.


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