The Notwist Superheroes, Ghostvillains & Stuff


Alien Transistor/Indigo/Morr

von

Anders als früher, als sich die Brüder Markus und Micha Acher und ihre wechselnden Kollegen immer wieder für ganze Ewigkeiten der Öffentlichkeit entzogen haben, um ihren Laden mindestens einmal komplett auseinanderzunehmen und neu zusammenzubauen und nebenbei viel Energie in Nebenprojekte fließen zu lassen, ist die Gruppe jetzt meistens anwesend. Als Liveband, deren hervorragender Leumund dafür sorgt, dass sie kreuz und quer durch Zentraleuropa ordentlich große Clubs gefüllt kriegt (und dadurch auch endlich auf eine verlässliche Entlohnung bauen können). Kann gut sein, dass sich die eingetragene Independent-Kapelle früher so einem Bonus-Produkt wie einer Liveplatte aus ideologischen Gründen verwehrt hätte.

Aber was SUPERHEROES, Ghostvillains & Stuff auf zwei CDs oder wahlweise drei LPS abliefert ist ja weit mehr als eine Hit-Sammlung mit ein bisschen Euphoriegeräusch. Man bekommt nicht nur einen blendenden Eindruck davon, welches Spektrum The Notwist zwischen Dinosaur Jr., My Bloody Valentine, allerlei Bastlerelektronik, Jazz, Postrock und ins Jetzt übersetzten Blues abdecken, ohne dass sie sich dafür auch nur einmal ächzend strecken müssten. Es ist vor allem ein Schauspiel zu erleben, wie diese Band live all ihre verschiedenen Töne in einen magischen, tiefmelancholischen Fluss bringt, bis jedes Stück fast jede Form annehmen kann (so lange sie nur eben melancholisch ist). Manchmal ändern sich die Arrangements kaum merklich unter der Oberfläche, dann wieder wird aus dafür unverdächtigen Stücken wie „Run Run Run“ oder „Pilot“ völlig entrückte Rave-Ware. Oder wann der aphextwinsche Noiserocker „This Room“ genau welche Abzweigung genommen hat, um nun in diesem Free-Jazz-Finale zu dingsplodieren? Kann man gar nicht sagen. Nur hell leuchten vor Euphorie. Tatsächlich auch zu Hause, unterm Kopfhörer.


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