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The Smashing Pumpkins Gish / Siamese Dream


EMI VÖ: 02.12.2011

von

Das „wahre Leben“ anstelle einer Künstlerpose: Die amerikanischen Indie-Bands der frühen 90er meinten es ernst. Dann kam Billy Corgan mit seiner Band The Smashing Pumpkins – und spielte mit Images, wie er wollte. In „Soma“ intonierte er ein Metalsolo wie sein Vorbild Rudolf Schenker von den Scorpions; ihm war egal, was die anderen sagten. Corgan brachte der Rockmusik das Risiko des Peinlichseins zurück. Er sang von Fabelwesen, dem All und unentdeckten Ländern. Für seine Lust am Märchen und blöde Kostüme wird Corgan bis heute verlacht, sein Mut kaum gewürdigt.

 Das Debüt Gish ging 1991 neben Nirvana und Pearl Jam unter; der Psychedelic-Rock von Gish war zaghafter als Nevermind und rätselhafter als Ten. Kurioserweise hatte auch die erste Pumpkins-Single, „I Am One“, weniger mit dem Rock der Kollegen gemein – der Rhythmus erinnerte an den Baggy-Trousers-Klang britischer Bands. Dafür erarbeiteten Corgan und Produzent Butch Vig bereits den einzigartigen Gitarrensound, der sich wohl am ehesten mit dem Klang eines Hornissenschwarms vergleichen lässt, und der mit Siamese Dream (1993) perfekt wurde (wer behauptet, Siamese Dream klänge als Remaster jetzt noch besser, hat bessere Ohren als Dracula).

„Cherub Rock“ behandelt Corgans Lust nach Schwebezuständen bis hin zur Vogelfreiheit. Die Erfolgssingle „Today“ flacht, mit ihrem Leise-Laut-Schema, heute dagegen ab. Corgan selbst verwaltet ja ein riesiges Archiv an unveröffentlichtem Material, das Gros der frühen Pumpkins-Musik ist bereits im Handel. Wie zu erwarten sind die wichtigen Stücke der Deluxe Editionen also nicht die Alternativfassungen der Albentracks, sondern die Handvoll Lieder, die wirklich kaum einer kennt. „Jesus Is The Sun“, „Hippy Trippy“, „U.S.A“, „U.S.S.R.“. Dazu Live-DVDs mit Auftritten von 1990 und 1993. Es ist zwar nichts, was uns neue Blickwinkel auf die Band eröffnet. Aber Sammlern geht es eh um etwas anderes: dass die Schatztruhe an Songs leer geräumt ist.


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