The Smashing Pumpkins Monuments To An Elegy


Martha’s Music/BMG

Im letzten Musikexpress wies Billy Corgan auf das Recht eines Künstlers hin, so viel zu veröffentlichen, wie er will. Es stehe dem Konsumenten nicht zu, vom Künstler Ertragsabbruch zu fordern. Natürlich muss Kunst prinzipiell frei sein – auch wenn es großartige Auftragskunst gibt. Es muss aber auch gestattet sein, Kunst in Qualität und Quantität zu kritisieren. Und manchmal ist es einem Schaffenswerk eben zuträglich, wenn es weniger umfangreich ausfällt. Wer möchte bestreiten, dass ein Film wie „The Matrix“ heute höheres Ansehen genießen würde, wenn man auf seine Fortsetzungen verzichtet hätte? Und war das frühe Ende der Beatles nicht auch ihr Segen? Hätten sie ihr Niveau ewig gehalten?

Die Smashing Pumpkins aka Billy Corgan haben es jedenfalls nicht. Müssen sie auch nicht. Man muss ja nicht konstant brillieren. Schmerzhaft wird es nur, wenn die alte Brillanz noch vorhanden ist, man den richtigen Umgang mit ihr aber verloren hat. Auf jedem Album der Pumpkins gibt es großartige Momente – SIAMESE DREAM und MELLON COLLIE … bestehen fast ausschließlich aus diesen. Auch MONUMENTS TO AN ELEGY beginnt fulminant: Aus dem schunkeligen, etwas an den Klassiker „Today“ erinnernden Opener „Tiberius“ strahlt gleißend die Zuversicht, die die ganze Musik der gern als Düsterlinge wahrgenommenen „Band“ durchsetzt. Doch Lieder wie dieses und vielleicht noch das kräftige „Drum + Fife“ verhalten sich zu MONUMENTS wie „Ava Adore“, „Stand Inside Your Love“, „Tarantula“ und „The Celestials“ zu ihren jeweiligen Alben: anmutende, bedeutsame, grandiose Songs in einem Meer an Mittelmäßigkeit, in dessen Tiefe sogar Platz für den Schlager „Run To Me“ ist.

Nach den ausladenden und fast Metal-lastigen Vorgängern ZEITGEIST und OCEANIA kann das mit Gitarrist Jeff Schroeder und Mötley-Crüe-Drummer Tommy Lee eingespielte MONUMENTS als das Pop-Album der Pumpkins betrachtet werden. Voll simpler Synthie-Melodien, klarer Strukturen und – als wohl überraschendster Move – auf neun Songs beschränkt. Diese Knappheit ist begrüßenswert, hat man doch längst noch nicht die kürzlich erschienene, übertriebene 107 Songs umfassende Wiederveröffentlichung des Pumpkins-Flops ADORE verkraftet (geschweige denn das 90 Songs starke Re-Release des Boxsets THE AEROPLANE FLIES HIGH von 2013). Nächstes Jahr will Corgan auch noch die wenig berauschenden Turn-of-the-millennium-Alben MACHINA und MACHINA II wiederveröffentlichen – erstmals und, wie einst der prustend abwinkenden Plattenfirma vorgeschlagen, als gebündeltes Werk.

Davor wird nach Plan noch ein neues Studioalbum erscheinen: DAY FOR NIGHT soll wie MONUMENTS als Teil des Meta-Mega-Albums TEARGARDEN BY KALEIDYSCOPE verstanden werden und dieses abschließen. Diese Emsigkeit schuldet Corgan nur sich selbst. Fans würden es wohl bevorzugen, wenn er Qualitätsmaterial wie „Tiberius“ sammeln würde und nur noch alle zehn Jahre ein Album herausbrächte, das in die Höhen von einst vorstößt. Vielleicht bräuchte er im ersten Schritt dazu auch einfach wieder eine feste Band als Korrektiv?


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