The Wallflowers – Red Letter Days

Vorsicht mit den Dylans: Verstümmelt der grantige Senior seine Songs in Live-Versionen oft bis zur Unkenntlichkeit, um niemanden an der Genialität seiner Kompositionen teilhaben zu lassen, so versteckt sich sein introvertierter Sohn Jakob inzwischen konsequent hinter radiofreundlichen Middle-Of-The-Road-Arrangements. Und genau wie der Vorgänger BREACH (2000) erfordert RED LETTER DAYS mehrere Durchläufe, bevor sich die Brillanz der kompakten Songs erschließt. Auch wenn Jakob sein Talent seit dem Song „One Headlight“ auf dem Erfolgsalbum BRINGING DOWN THE HORSE (1996) nie wieder derart plakativ zu Schau stellte – als Songwriter ist er in den letzten Jahren nochmal gereift. Keine Sorge, wenn der Single-Refrain von „When You’re On Top“ nach Crow’scher gute Laune a la „Soak Up The Sun“ klingt, wenn der Anfang von „See You When I Get There‘ ein wenig an Climie Fishers „Love Changes Everything“ erinnert – Dylan Jr. beherrscht sein Handwerk inzwischen zu perfekt, um Oberflächlichkeiten zu dulden. Die Eleganz, mit der er genuschelte Zeilen wie „Slow down, you’re breaking up / use your words, don’t yell so much -I don’t understand a word that you’re saying“ („How Good Can It Get“) in die Akkordfolgen einbettet, ist schlicht und einfach majestätisch. Obwohl mit Pearl Jams Mike McCready ein guter temporärer Ersatz für den ausgestiegenen Gitarristen Michael Ward gefunden wurde, hat RED LETTER DAYS doch im Gegensatz zum rundherum makellosen BREACH einen kleinen Schönheitsfehler: Das unsensible Wiederholen der durchaus cleveren Textzeile „If you never got sick, I wouldn’t get to hold you“ macht „Never Got Sick“ zu einer nervtötenden Belanglosigkeit.

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