Wilco Ode To Joy


dBpm/Ada/Warner (VÖ: 4.10.)

Jeff Tweedys letzte Veröffentlichungen hatten vor allem mit einer Verständnisfrage zu tun: Wer bin ich, und warum bin ich zu dem verletzlichen Künstler geworden, den ihr kennengelernt habt? Das galt für seine Soloalben WARM und WARMER und jene dissonanten Erinnerungen, die er in seine Autobiografie „Let’s Go (So We Can Get Back)“ einfließen ließ. Dem Autor Tweedy ist auch an einer Entmythifizierung des kreativen Subjekts gelegen, Künstler würden etwas schaffen, obwohl sie leiden, nicht, weil sie leiden.

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Deshalb darf man auch den für ein Wilco-Album frisch-fröhlichen Titel ODE TO JOY lesen, eine Ermutigung, den traurigen, von Hass erfüllten Zeiten etwas entgegenzusetzen, das mit Liebe und Freude zu tun hat. Dahin deutete die Single „Love Is Everywhere (Beware)“. Der Song stellt innerhalb der elf neuen Beiträge im selben Moment so etwas wie eine Bastion des Traditionellen, Folkmusic mit klingelnden Gitarren und schmeichelnden Harmonien.

Das Gros dieser neuen Musik ist zersetzender und seltsamer und verweist auf den Postrock bei Wilco – Lieder, die sich nicht beeilen, vom Fleck zu kommen, minimal instrumentiert, Tweedys Stimme zieht durch halbdunkle Räume, die von schwerem Schlagwerk so gerade im Gleich­gewicht gehalten werden. „Quiet Amplifier“ beginnt wie Marschmusik und legt eine schleichende Entwicklung zum Dream Pop hin, „We Were Lucky“ schließt an diese Stimmung an, wenn Tweedy über verschleppten, ziemlich zentral im Mix platzierten Beats dem Blues des Frühsiebziger-Lennon nachspürt.

Wir lauschen den wundersam hin und her eiernden Gitarren, den Schnarr- und Kratzgeräuschen, den wackligen wiewohl großen Melodiebögen und wissen: ODE TO JOY ist die Platte, auf die wir gewartet haben. Wenn es darum geht, wer dieser Jeff Tweedy ist: ein Verwandlungskünstler, der die Melancholie in positive Energie überführt.

ODE TO JOY im Stream hören:


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