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Witch ’N’ Monk Witch ’N’ Monk


Tzadik/H'Art (VÖ: 22.5.)

von

„Wenn ein Stück am Ende genauso klingt wie am Anfang, dann habe ich es schon gehört“, hat der große, gerne polemische Avantgardist John Zorn gesagt. Zorn beliebte in seinen Werken die Konfrontation mit sich selbst und der Rolle des Komponisten in der Musikgeschichte zu suchen. Er fand sie in Methoden der Zerstückelung und präsentierte sie auch immer wieder in den Veröffentlichungen auf seinem Tzadik-Label.

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Das Wahlberliner Duo Witch ’N’ Monk nimmt diese Auseinandersetzung auf, sein Album erscheint auf eben jenem Label, doch anders als der Meister des experimentellen Kannibalismus überführen die Musiker das Stückwerk der Postmoderne in runde, manchmal fließende Kompositionen. Ein Werk in acht Akten, das definitiv verbindet: Punk oder Progrock mit Kunstmusik und gesampelten Improvisationen, Latin-Pop oder Free Jazz mit Backstage-Oper und die Melancholie des Folk mit einem Besuch bei den Hamburger Chaostagen.

Eine andere, eher spirituelle Art von Ordnung findet all das in dieser Streamof-consciousness-music, wenn die Elemente sich bewegen lernen und aneinander andocken können; die Pan-Flöten, die Mauricio Velasierra durch das Sound-Geisterhaus schickt, als wären es E-Gitarren („Escarbando“, „The Gathering“) und die Sopran-Gesänge, die Heidi Heidelberg zu Onomatopoesien eines freien Fliegens werden lässt („Gualchovan“). WITCH ’N’ MONK ist ein Album, das genügend Hooklines und coole Beats hat, um zwei Bands auf zwei Platten zu versorgen und dennoch klar und deutlich zu uns spricht. Wir jubeln im Verein mit John Zorn: kein Stück klingt hier am Ende wie am Anfang.


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