Album der Woche

Yeasayer  Erotic Reruns  


Yeasayer/Cargo (VÖ: 7.6.)

Sonnenkönige sind einsam, auch, wenn sie Donald Trump heißen. Also überlegen Yeasayer im Song „Blue Skies Dandelions“, was man tun könnte, um Mr. President aus der Isolation zu erlösen: ihm eine Pyramide bauen zum Beispiel. Oder ihn auf Drogen setzen.

Das neue Yeasayer-Album „EROTIC RERUNS“ bei Amazon.de kaufen

Ein, sagen wir, kreativer Ansatz, aber auch typisch für EROTIC RERUNS, das fünfte Album von Yeasayer. Denn manches Stück, das nach locker aus der Hüfte gespieltem Hit zwischen Synthie-bis-(Beinahe-)Discopop, Folk und Psychedelic klingt, hat einen garstig-giftigen Twist.

Seit ihrem als Ethno-Rock gelabelten Debüt ALL HOUR CYMBALS drifteten die New Yorker zwar konsequent in Richtung Pop und Camp, schlugen dabei aber immer derart viele Haken, dass ihre Songs im besten Falle clevere Kakophonien waren – im schlechtesten auch mal überfrachtet und egal klangen. Diesmal tanzt der Frankenstein, den sie in ihrer Weirdo-Werkstatt zusammengeschraubt haben, wie Of Montreal im Stechapfelschritt.

Anzeige

Stücke wie „Ecstatic Baby“ sind glamourös und hedonistisch, tight wie bislang nichts der notorischen Ausfranser, während in „Let Me Listen In On You“ eine einsame Surf-Gitarre ihr Leid klagt. Romantisch wird’s trotzdem nicht: Schließlich will einem hier kein Liebhaber in die Intimsphäre lauschen – sondern „Big Brother“.  

Das neue Yeasayer-Album „EROTIC RERUNS“ im Stream hören:


ÄHNLICHE KRITIKEN

Die Höchste Eisenbahn :: Ich glaub dir alles

Puzzlepop: Die Höchste Eisenbahn ist auch auf ihrem dritten Album kompliziert und anheimelnd zugleich.

Bon Iver :: i,i

Justin Vernon sagt, das vierte Album stehe für den Herbst. Der Meta-Folk von Bon Iver klingt nun wieder majestätisch, elegant...

Bill Ryder Jones :: Yawny Yawn

Zweite Variante des Trübsal-Indie-Meisterwerks, gespielt am Piano.

Die Orsons :: Orsons Island

Mit diesem Comeback-Album beweist das Allstar-Quartett mal wieder: Intelligenter Deutschrap ist möglich.

Gauche :: A People’s History Of Gauche

Eine Geschichte der Gegenwart von unten, geschrieben in glorios wirbelndem Post-Punk von einer „Supergroup“ aus Washington, D.C.

Catnapp :: Break

Die Argentinierin jongliert auf ihrem Debütalbum voll futuristischem Hybridpop selbstbewusst mit den Genres.

Thom Yorke :: Anima

House-Dekonstruktionen, Ambient, IDM, Psych- und Kraut-„Rock“: Das dritte Soloalbum des Radiohead-Frontmanns.

Black Midi :: Schlagenheim 

Die Kunst der Richtungsänderung – das Quartett aus dem Süden Londons bringt Math-, Prog- und Punkrock in den diversen Windstärken in Stellung. 

Kate Tempest :: The Book Of Traps And Lessons

Rick Rubin produzierte eine über größere Strecken beatfreie, kammermusikalische Erzählung.

Pip Blom :: Boat  

Hübsch angeslackte Pop-Miniaturen, die an die Alternative-Heroen der Neunzigerjahre erinnern.    

Flying Lotus :: Flamagra

Neue Fusionen aus dem Bauch der Elektronik – der Beatmaker berauscht mit einer Soundwanderung über einen surrealen Parcours aus HipHop,...

The National :: I Am Easy To Find

The National lassen ihre Rockmusik lustvoll zerfasern – und zeigen dem Genre damit einen Weg aus der Redundanz.

Jamila Woods :: Legacy! Legacy! 

Mehr Soul als „Neo“: Auf ihrem zweiten Album setzt die Sängerin und Aktivistin aus Chicago schwarzen Ikonen aus Musik, Kunst...

Vampire Weekend :: Father Of The Bride 

Die Amerikaner haben ihre Popsongs auf Folk- und Countrynährböden gedeihen lassen und mit Prog und Barock abgeschmeckt. 

Aldous Harding :: Designer

Große Songs, die hinter sanft-eleganten Klängen Dämonen vermuten lassen.

Kelsey Lu :: Blood

Kammermusik, Folk, Dream Pop, Soul, Ambience: Die Sängerin und Cellistin gibt auf ihrem Debütalbum das Versprechen einer neuartigen, anderen Popmusik.

Damien Jurado :: In The Shape Of A Storm

Eine wunderbare, ganz besonders reduzierte Folkplatte.

Weyes Blood :: Titanic Rising

Große US-Singer/Songwriterkunst zwischen Nacht und Zwielicht.

Billie Eilish :: When We All Fall Asleep, Where Do We Go? 

Der Gegenwarts-Pop der 17-jährigen Kalifornierin widerlegt die landläufige Meinung, Musik von Teenagern müsse immer ein bisschen doof sein. 

Stella Donnelly :: Beware Of The Dogs

Das Debüt der australischen Gitarrenpop-Singer/Songwriterin kann so einiges: Uns feministische Grundsätzlichkeiten hinter die Ohren schreiben, mit trockenen Pointen treffen und...

Die Heiterkeit :: Was passiert ist

Zwischen Showbläsern und dunkelsten Gefilden: Stella Sommers Goth-Chanson-Meisterwerk.

Bilderbuch :: Vernissage My Heart

Return of the Space Cowboys: Das zweite Bilderbuch-Album in kürzester Zeit ist ein wilder Tanz zu Heavy-Rock und durchaus funky Spacepop. 

Efdemin :: New Atlantis

Zwischen Techno und Soundexperiment: Das Konzeptalbum des Berghain-Residents ist jetzt schon ein zeitloser Klassiker.

Die Goldenen Zitronen :: More Than a Feeling

Die Goldies dringen mit düsterem Elektro-Twist in unsere Komfortzone ein. Wer sie reinlässt, muss sich unbequemen Fragen stellen, erhält aber...

Beirut :: Gallipoli

Europareise in Trance – Zach Condon kennt die besten Trompetenmelodien für Folkpopsoundtracks.

Dendemann :: Da nich für! 

Das nackte Ergrauen im Deutschrap: Auf seinem Comeback-Album fragt der „klitzekleine, witzgescheite Geistesblitzableiter“ bei sich selbst ab, ob er noch...

James Blake :: Assume Form

R’n’B: Mehr Frank Ocean wagen! Das vierte Album des Engländers.

Bilderbuch :: Mea Culpa

Die Leiden des jungen M.: Der Future-Pop der Wiener Wunderkids kommt auf Album Nummer fünf erstaunlich sad.

Jeff Tweedy :: Warm

Wärme und Trost in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung: Der Americana-Großmeister schließt solo an den smoothen Ton der jüngsten Wilco-Platte SCHMILCO an.

Pranke :: Monkey Business 

Ein deutsch-isländisches Duo findet zwischen Jazz-, Post- und Rumpelrock zu zärtlichsten Momenten. 

The Good, The Bad & The Queen :: Merrie Land

Müde Grüße aus dem Küstennebel Nordenglands: Gemeinsam mit Tony Visconti singen The Good, The Bad & The Queen einen sentimentalen Abschieds-Shanty...

Herbert Grönemeyer :: Tumult

Popbundespräsident Herbert Grönemeyer veröffentlicht nicht an irgendeinem Tag, sondern natürlich am 9. November. Ein vertonter moralischer Zeigefinger ist die Platte...

Jens Friebe :: Fuck Penetration 

(Revue-)Pop von Welt, von feinsinnig bis unsinnig. 

Julia Holter :: Aviary

Avantgarde-Pop zwischen barocker Opulenz und Kakophonie, schwer zu dechiffrieren, doch in seiner Schönheit universell verständlich.  

Neneh Cherry :: Broken Politics 

Neneh, die Weise, redet uns auf ihrer klugen, schönen, dubbigen Protest-Soul-Platte ins Gewissen.  

Der Nino aus Wien :: Der Nino aus Wien

Austropop, so vielschichtig wie ein Bergwerk: Auf seinem selbstbetitelten Album schlendert Nino Mandl mit uns einmal quer durch sein Universum....

Fucked Up :: Dose Your Dreams

Was Punk alles kann! Große Revue eines beschissenen Lebens, mit Bläsern, Streichern und J Mascis.

Tim Hecker :: Konoyo

Ein Meister seiner Zunft schenkt uns Ambient und, aus Sicht von so Strukturrockern, vermutlich „ambitionslose“ Musik.

Ebony Bones :: Nephilim

Wut annehmen, ohne sich ihr zu ergeben: Ebony Bones, Musikerin und Produzentin aus London, of colour und weiblich, denkt Punk...

Mikaela Davis :: Delivery

Dank dieses Harfen-Folkpops kann man Dolly Parton und ihr Erbe weiterdenken.

77:78 :: Jellies

Beach-Boys-Harmonien und flirrender Westcoast-Pop für alle, die sich auch diesen Sommer kein Boot leisten können.

Florence + The Machine :: High As Hope

Erkenntnisse einer Frühweisen: Florence Welchs opulenter Superpop ist noch toller, wenn sie auch mal einen Gang runterschaltet.

Kamasi Washington :: Heaven And Earth 

100 Fäuste für ein Jazz-Halleluja – der Tenorsaxofonist übertrifft sein Debüt in einem kollektiven Rauscherlebnis.

Melody’s Echo Chamber :: Bon Voyage 

Atemberaubende Geisterfahrt durch Chanson, Psych-Rock und alles andere. Mit dabei: Dungen. 

Get Well Soon :: The Horror 

Join hands in fear: Konstantin Gropper stellt sich mit dieser sanft aufwühlenden Orchesterpopplatte den Verwerfungen der Zeit. 

Oneothrix Point Never :: Age Of

Nächstes Electronic-Großwerk: Aus den Fäden von Vergangenheit und Gegenwart entwirft Daniel Lapotin die Popmusik der Zukunft.

Actress x London Contemporary Orchestra :: Lageos

Avantgarde: Darren Cunningham und das London Contemporary Orchestra auf Albumlänge.

Parquet Courts :: Wide Awake!

Danger Mouse wollte Parquet Courts, und was haben wir jetzt davon? Eine perfekte Indie-Gitarrenplatte.

DJ Koze :: Knock Knock

Der Elektro-Psychedeliker packt Stimmen wie die von Justin Vernon oder Róisín Murphy sonst wohin. Richtig zu greifen ist das kaum...

International Music :: Die besten Jahre

Die Band mit dem ungooglebaren Namen legt ein imposantes Debüt vor, das von Kraut­rock gelernt hat, aber nach Kneipe klingt....

Die Nerven :: Fake

Das neue Album der Stuttgarter zeigt kreativen Abrieb, aber auch Lust an den Extremen. Bleierne Sichtungsversuche zwischen Hardcore, Noise und...

Sam Vance-Law :: Homotopia

Außergewöhnlich guter kammermusikalischer Pop des jungen Kanadiers mit der Wahlheimat Berlin.

Tocotronic :: Die Unendlichkeit

Erleben Sie aus nächster Nähe, wie die Rockmusik sich vielleicht zum letzten Mal aufbäumt! Auf ihrem zwölften Album erinnert sich die...

Björk :: Utopia

Abstrakte Sounds und heiße Gefühle: Die große Avantgardistin aus dem Norden wärmt ihren futuristischen Kunst-Pop an der magischen Erneuerungskraft der...

Destroyer :: Ken

80s-Pop Noir, aber mit Gitarrensolo und some Noise, wohl doch too hard für Bernard Sumner.

Of Montreal :: Innocence Reaches

Zur Abwechslung zeitgemäß: Kevin Barnes spielt Indie-Rock und EDM.

Yeasayer :: Amen & Goodbye

Der Ethno-Indie des Trios klingt wie eine Ping-Pong-Partie auf Niveau der Olympischen Spiele.

Yeasayer :: Fragrant World

Psychedelischer Pop, dessen Magie sich vor allem im Sounddesign versteckt


ÄHNLICHE ARTIKEL

50 Jahre Musikexpress – Das Festival: Darauf freuten sich unsere Besucher am meisten

Bei unserem „50 Jahre Musikexpress“-Festival traten Yeasayer, Blood Orange und Tame Impala auf. Wir haben Besucher befragt, worauf sie sich am meisten freuen und wie ihre Eindrücke vom Abend waren.

„50 Jahre Musikexpress – Das Festival“: Am Ende wird es Konfetti regnen

Wir haben am 13. August 2019 in der Berliner Max-Schmeling-Halle 50 Jahre Musikexpress gefeiert – mit Bands, die tief in die Geschichte der Rock- und Soulmusik hineinlauschen. Hier unser Nachbericht samt Fotos. Schön war's!

50 Jahre Musikexpress – Das Festival: Unsere Fotos von Tame Impala, Blood Orange, Yeasayer und Euch

Wir danken Bands und Gästen für einen konfettibunten Abend! Hier die Bilder von Tame Impala, Blood Orange, Yeasayer und Euch.

Anzeige

MagentaTV erleben: Jetzt MagentaZuhause mit TV zum Aktionspreis bestellen!*

  • 100 Sender Live-TV
  • Megathek mit Top-Serien & Filmen
  • Highspeed-Internet mit bis zu 100 MBit/s
  • 24,95 € mtl. i.d. ersten 6 Monaten*

Hier Angebot sichern

50 Jahre Musikexpress: Was Ihr jetzt noch über das Festival in der Max-Schmeling-Halle wissen müsst
Weiterlesen