Yves Tumor Safe In The Hands Of Love


Warp/Rough Trade

Sie nennen den Exil-Amerikaner und Now-Turiner Sean Bowie einen Experimentalmusiker. Weil er Klänge erzeugt, die sich nicht so einfach in bekannte Muster fügen. Und weil er schon einiges an Noise freisetzte.

Sein zweites Album SERPENT MUSIC (2016) wurde allerdings auch in weniger nervengestählten Kreisen gefeiert; es firmierte als Meta-Soul-Platte. Doch die Reise führte viel weiter, auf hängen gebliebenen Loops und instrumentalen Improvisationen, verfolgt von querschlagenden Drumpatterns und apokalyptisch anmutendem Getöse, durch die uns einschnürende Paranoia, hoffentlich ans Licht.

Tumors drittes Album sendet nun – neben Ton („Let The Lioness In You Flow Freely“) und Ton und Text („Hope In Suffering [Escaping Oblivion & Overcoming Powerlessness]“) gewordenen Metzeleien – noch mehr von dem in die Welt, was von Mehrheiten als Musik (an)erkannt werden könnte: Wie gegen einen Sturm anmarschierende, übersteuerte, immer wieder einbrechende 90s-Club-Beats zu Chants aus der R’n’B-Kirche in „Honesty“, eine Quasi-TripHop-Ballade („Licking An Orchid“), eine von einem Schlagzeug aufgewirbelte Sehnsuchtshymne („Lifetime“). „Noid“ klingt anfangs sogar wie ein groovigerer Reim auf The Verves „Bitter Sweet Symphony“, doch bald ziehen immer mehr Chaos und Pein ein in dem Stück, das morgendlich-muntere Streichermotiv geht verschüttet.

Bleibt man weiter dran an dieser sehr intensiven Musik, finden sich immer mehr vertraute Bezüge zu Dream Pop, Ambient-Techno, Alternative Rock, Spiritual-Jazz, DJ-Shadow-artigem Sampletronic und noch mehr auf dieser Platte, doch fast nichts lässt sich festschreiben und nichts gibt einem das Gefühl von Sicherheit. Zudem klingen die Stücke stellenweise, als wären sie als Field Recordings aufgenommen worden. Post-Post-Music, die einen fesseln kann wie zum ersten Mal, sagen wir: Arthur Russell hören. Wohl auch, weil es hier auf dramatische Weise um nicht weniger als alles geht, sprich: Liebe, Tod und Torture.

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