Rumänien mit Schocker-Song beim ESC: Geht „Choke Me“ zu weit?
Rumänien hat mit ihrem musikalischen Beitrag auch die Grenzen des ESC ausgelotet.
Kurz vor Schluss des ESC-Finales in Wien wird es noch einmal heikel: Direkt vor Gastgeber Österreich tritt Rumänien auf Startplatz 24 an. Alexandra Căpitănescu performt den Song „Choke Me“ und macht nicht nur mit ihrer düsteren Performance von sich reden. Im Text geht es um Strangulation, wenn auch im metaphorischen Sinne als zugespitztes Bild für toxische Anziehung, Kontrollverlust oder Machtspiele.
Problematische Lyrics?
In Großbritannien gab es kürzlich eine ernste Debatte über sexualisierte Gewalt, Pornografie und die Normalisierung gefährlicher Praktiken. Die britische Regierung kündigte im November 2025 neue Gesetze gegen Online-Missbrauch und Gewaltpornografie an. Dazu gehört ausdrücklich auch, Besitz oder Veröffentlichung pornografischer Darstellungen von Strangulation oder Erstickung zu kriminalisieren.
Ziel der Maßnahmen ist es nach Regierungsangaben, Gewalt gegen Frauen und Mädchen einzudämmen und die Verbreitung solcher Inhalte auf Plattformen stärker zu unterbinden. Auch der „Guardian“ berichtete damals, dass Pornografie mit „choking“ unter die geplanten Straftatbestände fallen soll.
Geht der rumänische ESC-Beitrag zu weit?
Das heißt allerdings nicht, dass Rumäniens ESC-Beitrag automatisch gegen Regeln verstößt. Rechtlich ist ein Songtitel natürlich nicht mit pornografischem Bildmaterial gleichzusetzen und auch der Text biegt immer wieder auf eine provokante, aber dennoch harmlose Schiene ab.
Trotzdem ist die Irritation nachvollziehbar. Denn „Choke Me“ belässt es nicht bei einem abstrakten Titel. In den veröffentlichten Lyrics tauchen Motive von Kontrolle, Atemnot und Unterwerfung auf; der Refrain arbeitet wiederholt mit der titelgebenden Formulierung:
Phantom, you feel like a phantom
Why do you wanna tame me?
It’s hard to breathe in
Do you feel me? Do what I say
And don’t you ever betray me
You are here to obey me
Are you not? All I need is your love
I want it to choke me, choke me, choke me
Born for you to control, I want you to choke me
Ch-ch-ch-choke me, ch-ch-ch-choke me
Love me, make my lungs explode
All I need is your love, I want it to choke me
Für die EBU ein bekanntes Problem in neuer Form
Der ESC will bunt, frei und manchmal auch provokant sein, soll aber gleichzeitig ein massentaugliches TV-Event bleiben, das in vielen Ländern zur besten Sendezeit läuft. Was für die einen als dramatische Pop-Überhöhung funktioniert, kann für andere wie eine Verharmlosung gefährlicher Gewaltbilder wirken. Genau hier liegt die Schwäche des Beitrags: Selbst wenn „Choke Me“ metaphorisch gemeint ist, zwingt der Titel eine Debatte auf, die größer ist als der Song selbst.
Rumänien dürfte mit dem Auftritt auffallen – das ist kurz vor dem Finaleffekt von Österreich strategisch nicht unwichtig. Doch Aufmerksamkeit ist beim ESC nicht immer nur ein Vorteil. In diesem Fall könnte sie auch bedeuten, dass weniger über Gesang, Bühnenbild und Performance gesprochen wird als über die Frage, warum ein Wettbewerb, der Millionen Menschen erreicht, einen solchen Titel ohne größere sichtbare Einordnung durchwinkt.







