„Serien-Kindervergewaltiger“: Eine Doku erhebt weitere Vorwürfe gegen R. Kelly


Eine mehrteilige Dokumentation lässt Frauen zu Wort kommen und aus ihrer Vergangenheit mit dem R'n'B-Star berichten. Auch John Legend findet darin eindeutige Worte.

Auf dem US-Sender „Lifetime“ startete am Sonntagabend eine Dokumentation, die in sechs Episoden die Missbrauchsvorwürfe gegen Robert Sylvester Kelly, der zwischen 1995 und 2003 Welterfolge feierte, beleuchtet. R. Kelly werden bereits seit Jahren sexuelle Beziehungen zu Minderjährigen vorgeworfen, zuletzt nährte sich der Verdacht, dass Kelly, 52, sich einen regelrechten Sex-Kult aufgebaut habe, in dem er junge Frauen wie Gefangene oder Haustiere festhält.

Angebliche Hochzeit mit der minderjährigen Aaliyah

Mit seinem Privatleben geriet R. Kelly bereits Anfang der 2000er weltweit in die Schlagzeilen: 2003 wurde er verhaftet, aufgrund eines Verfahrensfehlers allerdings schnell wieder aus der Haft entlassen. Die Polizei fand pornografisches Material in seinem Besitz, das unter anderem auch Minderjährige zeigte. In einem geleakten Video war dazu mutmaßlich R. Kelly zu sehen, der auf eine Minderjährige uriniert. Die damals 13-Jährige und der Musiker bestritten Jahre später gemeinsam, dass sie in dem Video zu sehen sind – eine Jury sprach R. Kelly daraufhin von allen Vorwürfen frei.

Noch älter ist folgende Geschichte, die bis heute nicht eindeutig verifiziert ist: 1994 habe der damals 27 Jahre alte R. Kelly die Sängerin Aaliyah geheiratet – sie war damals 15 Jahre alt. Angebliche Zeugen der Trauung tauchten immer mal wieder in der Öffentlichkeit auf, gesichert ist die Hochzeit bis heute aber nicht.

Die Fälle beschäftigten damals lange Zeit Boulevard und Justiz, danach wurde es etwas ruhiger um R. Kelly. In den vergangen zwei Jahren wurde aber wieder mehr Licht auf R. Kellys mutmaßlich kriminelles Privatleben geworfen.

Die BBC veröffentlichte eine Dokumentation, in der ein Ehepaar verzweifelt versuchte, seine Tochter zu erreichen. Diese hielt sich im Umkreis von R. Kelly auf, wurde von dessen Mitarbeitern aber mit aller Macht von ihrer Familie abgeschottet. Bereits in der BBC-Doku kamen junge Frauen zu Wort, die von einem sektenartigen Konstrukt berichten, das der Musiker angeblich über Jahre aufgebaut habe.

Die BBC-Doku könnt Ihr Euch hier komplett anschauen:

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R. Kelly, so die Vorwürfe und Gerüchte, soll junge Frauen mit dem Versprechen auf eine Karriere anlocken, sie dann sexuell ausbeuten. In diese Kerbe schlägt nun auch die sechsteilige Lifetime-Doku „Surviving R. Kelly“, in der mehrere Frauen über ihre Zeit mit dem Musiker und seinen Mitarbeitern berichten. Die gesammelten Aussagen erinnern an das berühmte Zeitungscover des Magazins „New York“, auf dem 2015 etliche Frauen abgebildet waren, die Vorwürfe gegen Bill Cosby erhoben.

Bei „Lifetime“ kommen beispielsweise Ex-Freundinnen des Musikers zu Wort, Jerhonda Price und Andrea Kelly, die mit dem Künstler verheiratet war. Sie berichten von einem abgeschotteten Leben, Sprechverbot und einem perversen Machtwillen, den der Weltstar schon Mitte der 90er auszuüben versuchte.

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Die Produzenten der Dokumentation kontaktierten im Rahmen der Recherche berühmte Weggefährten R. Kellys, erhielten allerdings nur Absagen. Jay-Z, Lil Kim und Dave Chappelle wurden unter anderem angefragt, distanzierten sich aber von dem Projekt. Einzig der Musiker John Legend taucht in der Dokumentation auf und spricht sich gegen seinen Berufskollegen aus: „Time’s up for R. Kelly“. In den sozialen Netzwerken wurde er dafür nicht nur gelobt, sondern auch kritisiert, was ihn zu diesem drastischen Statement verleitete:

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John Legend nennt R. Kelly einen „Serien-Kindervergewaltiger“, was ihn vielleicht auch ins Visier von R. Kellys Anwälten bringen könnte. Diese haben nämlich schon rechtliche Schritte gegen die „Lifetime“-Dokumentation angekündigt. Wie anders könnte R. Kelly auch handeln? Einige Geschichten über das Sexualleben des Musikers reichen so weit zurück, dass die Opfer gerade einmal 12 Jahre alt waren. Inwiefern die neuen und neu aufgearbeiteten Vorwürfe juristische Konsequenzen für R. Kelly selbst haben, steht noch aus. Mehrere Ermittlungsverfahren gegen den Musiker versandeten in der Vergangenheit.

Der Sänger selbst äußerte sich 2017 in einem bizarren Lied zu einigen Vorwürfen. In „I Admit“ erzählte er nicht nur von seinem finanziellen Engpass (weil er angeblich nicht richtig lesen kann und bei Verträgen betrogen wurde) und adressiert die Gerüchte, er habe mit Minderjährigen geschlafen:

„Ich gestehe, ich ficke mit allen Ladies rum / Sowohl ältere und jüngere Ladies / Aber es deshalb pädophil zu nennen / Das ist verrückt“.

Die mehrteilige Dokumentation „Surviving R. Kelly“ wird derzeit wöchentlich in den USA ausgestrahlt, einzelne Ausschnitte davon stellt der Sender „Lifetime“ auf YouTube bereit. Ob und wann die Doku in Deutschland zu sehen sein wird, ist bisher nicht bekannt.