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Mammut-Song „I Admit“: R. Kelly wehrt sich gegen Missbrauchsvorwürfe

Amtliche 19 Minuten lang ist ein neuer Song, in dem R. Kelly sich selbst bemitleidet. In dem er von Verschwörungen spricht, von Missbrauch während seiner Kindheit erzählt sowie auf groteske Art und Weise zu seinem Sexualleben Stellung bezieht.

Robert Sylvester Kelly hat in seiner bisherigen Karriere mehr als 60 Millionen Platten verkauft, mit „I Believe I Can Fly“ und „Ignition“ gelangen ihm bis Anfang der 2000er Welthits, danach baute der Rapper und Sänger musikalisch ab. Sein Privatleben rückte immer mehr die Öffentlichkeit, 2003 wurde er verhaftet, aufgrund eines Verfahrensfehlers allerdings schnell wieder aus der Haft entlassen. Die Polizei fand pornografisches Material in seinem Besitz, das unter anderem auch Minderjährige zeigte. In einem geleakten Video war dazu mutmaßlich R. Kelly zu sehen, der auf eine Minderjährige uriniert. Die damals 13-Jährige und der Musiker bestritten Jahre später gemeinsam, dass sie in dem Video zu sehen sind – eine Jury sprach R. Kelly daraufhin von allen Vorwürfen frei.

Angebliche Gehirnwäsche

2017 legten dann weitere Medienberichte den Fokus auf das Sexleben des Künstlers. Er solle sich einen regelrechten Sklavenring von jungen Frauen aufgebaut haben, bestimmte ihren Tagesablauf und sperrte sie in seinem Anwesen ein. Nachdem der Sänger junge Frauen mit dem Versprechen auf eine Karriere angelockt habe, brachen sie laut einer langen BuzzFeed-Recherche den Kontakt zu ihrer Familie ab, wurden zuvor einer Gehirnwäsche unterzogen. R. Kelly bestreitet dies. Die Vorwürfe, er würde hätte Sex mit Minderjährigen gehabt haben, adressiert er mitunter in dem nun erschienenen Song „I Admit“: „Ich gestehe, ich ficke mit allen Ladies rum / Sowohl ältere und jüngere Ladies / Aber es deshalb pädophil zu nennen / Das ist verrückt“.

Kooperation

Es ist nur eine von vielen Textzeilen, die nun kontrovers diskutiert werden. Auf die Vorwürfe eines vermeintlichen Sex-Kults, über den ein Mädchen 2017 auspackte, reagiert er folgendermaßen: „Was genau ist ein Kult? / Was ist genau ein Sex-Sklave? / Schlage es im Wörterbuch nach / Lass es mich wissen, ich warte“. Weiter: „Ich gestehe, ich bin nicht perfekt / Ich habe auch nie gesagt, dass ich perfekt bin / Aber zu sagen, ich missbrauche diese Frauen/ Absurder Scheiß ist das“.

Pleite, weil er eigene Verträge nicht lesen konnte

„I Admit“ ist musikalisch nicht besonders ambitioniert, R. Kelly geht es in den 17 Minuten ausschließlich um Statements. Und die sind teils traurig, wenn er zum Beispiel davon erzählt, dass ein Familienmitglied ihn missbraucht habe, bis er 14 Jahre alt war. Zum Teil zieht der Musiker aber auch bizarre Rückschlüsse. „Spotify hat mich von seiner Playlist gestrichen / Ich gestehe, ich bin unterbewertet“. Der Streaming-Dienst hatte R. Kelly zuletzt nicht wegen seiner musikalischen Fähigkeiten aus dem Angebot genommen, sondern aufgrund seiner Skandale.

Einsichten in seine finanzielle Situation gibt R. Kelly bei der Gelegenheit auch. Er sei komplett pleite und nur noch auf Tour, weil er seine Miete bezahlen müsse. Aufgrund einer Leseschwäche konnte er seine eigenen Verträge nicht überprüfen. Niemals hätte er gedacht, dass er ein dermaßen wenig respektierter Künstler werden würde. Im Rahmen der #MeToo-Bewegung forderten Aktivistinnen in den USA #MuteRKelly. Eine Dokumentation über den Musiker ging zuletzt auch wieder der Frage nach, ob R. Kelly heimlich die damals noch minderjährige Aliyah geheiratet hat. Die BBC-Doku fand Zeugen, die 1994 bei der Zeremonie angeblich dabei waren. Die beiden Musiker bestritten die Vorwürfe damals.


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