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The Hidden Cameras: So waren Joel Gibb & Co. im Berliner Theaterhaus „Hebbel am Ufer“

Blind Gitarre, Geige und Schlagzeug spielen – das können nicht alle Musiker. The Hidden Cameras wagen dieses Experiment für zumindest einen Song, als sie am 03. Februar 2014 im Theatersaal des „Hebbel am Ufer“ (HAU) auftreten. Mit einem roten Tuch verbinden sich die kanadischen Musiker um Sänger Joel Gibb die Augen und heben damit bereits die theatrale Ausrichtung ihrer Performance hervor.

In der sonst vornehmlich für avantgardistische Performance-Aktionen und unabhängigen Independent-Theaterproduktionen genutzten Location wirkt die Band in ihren einheitlich schwarzen Kleiderröcken wie eine Kreuzung aus sektenähnlichen Wanderpredigern und ritueller Goth-Kombo.

Das für ihre Nähe zur schwulen Szene bekannte Musiker-Kollektiv aus Toronto – Joel Gibb lebt offen homosexuell – bezeichnete sich einmal selbst als „Gay Church Folk Band“ und setzt sich mit ihrer Musik für mehr Toleranz gegenüber Andersartigkeit und Gleichgeschlechtlichkeit ein.

Gerade im Umfeld der diese Woche startenden Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi und der dort ansässigen übergreifenden Homophobie im Land scheinen Aktionen wie die kürzlich vom Männermagazin „GQ“ initiierte „Mundpropaganda“-Aktion und Organisationsgruppen wie „Enough Is Enough – Stop Homophobia“ so wichtig zu sein wie nie zuvor.

Im Video zu „Gay Goth Scene“, ein Song aus dem aktuellen Album AGE, machen The Hidden Cameras auf dieses gesellschaftliche Problem aufmerksam und versuchen auch sonst in ihren Songs die verschiedenen Aspekte der Homosexualität nicht nur kritisch zu behandeln, sondern auch offen zu feiern.

„Music Is My Boyfriend“ ist auf ihrem Konzert in Berlin dementsprechend nicht nur ein Teil ihrer Setlist, sondern steht stellvertretend für den Versuch der Band die Zuschauer zum Tanzen zu animieren. Zwar hat die Gruppe diesmal keine Gogo-Tänzer auf der Bühne – bei früheren Auftritten versuchten sie damit schon mal gerne „die Hemmungen der Zuschauer fallen zu lassen“ – , doch wenn Joel Gibb sich um die eigene Achse dreht und seine mit geducktem Kopf vollziehenden Tanzmoves vollführt, dann bringt das auch einige Zuschauer in Bewegung.

Bis auf „Afterparty“ spielen The Hidden Cameras alle Songs von ihrem aktuellen Album, eröffnen das Set noch hinter dem sich langsam öffnenden Bühnenvorhang mit dem Dreierpack „Skin & Leather“,  „Bread For Brat“ und „Doom“, um später mit „Ordinary Over You“, „Carpe Jugular“, „Year Of The Spawn“ und bereits angesprochenem „Gay Goth Scene“ ein weiteres Mal in die poppigen „Coming Of Age“-Gefilde einzutauchen. Doch auch der breite Sound von choralen Stücken wie „In The NA“ und den älteren Singles „Death Of A Tune“ sowie „Learning A Lie“ verleiht der Musik den Pathos, den Joel Gibb mit seinen leidenden Blicken verkörpert. Ein wenig Exzentrik gehört eben auch immer zu einer theatralen Performance.

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