Trainspotting


Eine Würdigung des definitiven Films zur Bewegung. „Mega Mega“.

Sag Ja zur Zukunft, sag Ja zum Leben! Es war Februar 1996 und „Trainspotting“ der britische Film des Jahrzehnts. Dem orangefarbenen Balken des Artworks konnte man bald nicht mehr entfliehen. Aufgeregte Diskussionen drehten sich darum, was Iggy Pop wohl 19 Jahre davor gemeint haben könnte in „Lust For Life“, als er sang: „I’ve had it in the ear before.“ Underworld rockten die allerbeste Filmfestival-Party in Cannes aller Zeiten: „Lager lager lager shouting / Mega mega white thing“. Und wem es gelang, das obligatorische orange Promo-T-Shirt abzugreifen und unter seinem ersten Helmut-Lang-Anzug zu tragen, war der King. Alle sagten Ja zu „Trainspotting“, der 1996 überrollte wie ein Güterzug. Der das muffige englische Ausstattungskino der Marke Merchant/Ivory auf immer und ewig in den Orbit schoss. Der die Idee von „Pulp Fiction“ aufgriff, das in Liebe, Krieg und Film alles erlaubt sei, aber nicht dem Kino als Idee, sondern dem Hier und Jetzt huldigen wollte. Der Stream-of-Consciousness-Roman des Schotten Irvine Welsh las sich 1993, als hätte man James Joyce einen Iro rasiert und ein paar „E’s“ zuviel einwerfen lassen. Danny Boyle machte aus der wild angerührten Betrachtung des Alltags einer Gruppe nutzloser Junkies eine Liebeserklärung an den Pop, in einem Moment, als er wichtig und konsensfähig war, bevor er sich in den endlosen Korridoren des Internets aufspaltete und für immer zerfaserte. „Trainspotting“ speist sich aus dem famosen Zwist zwischen Blur und Oasis ebenso wie aus dem Erwachen des Brit Hop & Amyl House, aber er muss es nicht ausbuchstabieren, weil es Teil seiner Matrix ist: In dem einen Moment der Neunziger, in dem Popmusik, Mode und Film verschmolzen, stand „Trainspotting“ im Epizentrum. Er machte einen Star aus Ewan McGregor, Danny Boyle zum nachhaltig wichtigsten englischen Filmemacher, und nahm ein Eigenleben an im popkulturellen Diskurs, wurde Bestandteil eines Higher Stream of Consciousness: Sag Ja zur Zukunft, sag Ja zum Leben!