Tua über seinen Seenotrettungs-Clip: „Ich wollte ein Musikvideo machen, das man fast nicht aushält“

Tua hat ein neues Musikvideo gedreht – zumindest vordergründig. Im Clip zu seinem Song „Wenn ich gehen muss“ sieht man, wie der Rapper irgendwo sitzt und seine Zeilen zu singen beginnt. Das Schockmoment setzt ab Sekunde 34 ein: Jetzt erkennt der Zuschauer, dass Tua in einem Schlauchboot sitzt, um ihn herum Flüchtende ertrinken und er möglicherweise der nächste Ertrinkende ist. Der Clip endet mit dem Hinweis, dass dies eben kein Musikvideo sei, sondern tödliche Realität.

Tua hat dieses Video gemeinsam mit der Werbeagentur Jung von Matt gedreht. Der Song „Wenn ich gehen muss“ hatte für Tua ursprünglich eine persönlichere Bedeutung: Der Text entstand nur wenige Minuten nach dem Tod seines Vaters. Trotzdem geht es darin nicht um Trauer, sondern um Trost und um das Finden einer Perspektive. Das neue Video verleiht den eindringlichen Lyrics noch einmal einen ganz anderen Sinn: Plötzlich geht es nicht nur um den Abschied von einem einzelnen, geliebten Menschen, sondern um den Verlust von ganz vielen, die auf der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben gelassen haben. „Der Song hat im Grunde genommen ein anderes Thema, aber wenn man dies mit dem Flüchtlingsthema zusammen wirft, dann war das so frappierend zu sehen, wie krass das zusammen passt und wie sehr das einem ans Herz geht“, so Tua über seine Zusammenarbeit mit Sea-Eye. Dem Verein für die Rettung von Flüchtenden im zentralen Mittelmeer fehlte es zuletzt an Geld. Alle Einnahmen aus Tuas Song werden an Sea-Eye, deren ehrenamtliche Mitarbeiter auch im Video mitspielten, gespendet.

In dem Video stellt Tua das Szenario einer Seenotrettung nach – seine Stimme ist nach kurzer Zeit nur noch als ersticktes Gurgeln wahrzunehmen. Bevor sie jedoch ganz verstummt, wird er von den Rettungskräften von Sea-Eye an Bord eines Schiffs gezogen. „Ich wollte ein Musikvideo machen, das man fast nicht aushält – weil die aktuelle Situation nicht auszuhalten ist“, sagt Tua. Das Video ist ferner in Kooperation mit der Besatzung der „Alan Kurdi“ entstanden und soll ein Appell an die Gesellschaft sein, sich mit der brutalen Realität an Europas Außengrenzen im Mittelmeer auseinanderzusetzen.

Tua: „Der Tod im Mittelmeer ist leise und er kommt schnell“

Das Video verfehlt seine beabsichtigte Wirkung offenbar nicht. In den sozialen Netzwerken ging der Clip bereits viral. Rapperin Nura schrieb über den Clip in einer ihrer Instagram-Storys: „Leute ich hab Gänsehaut am ganzen Körper und kann meine Tränen nicht zurückhalten. Sitze im Zug und bin vollkommen verheult. Ich kannte den Song schon vorher, aber dieses Video gibt mir den Rest“. Moderatorin und Autorin Visa Vie äußert sich ebenfalls via Social Media dazu und beschreibt: „Schwer zu ertragen, aber viel zu wichtig um es nicht zu sehen!!!“ Musiker und Heimwerker-YouTube-King Fynn Kliemann kommentierte das Video wie folgt: „Unfassbar gut auf etwas unfassbar wichtiges hingewiesen! 🙏“

In einem Interview mit dem Online-Magazin DIFFUS sprach Tua über die Entstehung der Zusammenarbeit mit Sea-Eye und seine Motivation dahinter: „Ich lebe super privilegiert hier in Deutschland, ich kann meine Kinder ernähren, ich lebe in relativem Wohlstand und nur wenige 100 oder 1000 Kilometer von uns weg passieren die krassesten Tragödien, wo Leute wie ich und du ertrinken. Ich finde das ist etwas, das man nicht zu Seite schieben kann, wenn man menschlich sein möchte.“

Am 22. März 2019 erschien Tuas aktuelles selbstbetiteltes Soloalbum. Mit seiner Band Die Orsons veröffentlichte der Rapper und Produzent bisher fünf Alben, ging auf mehrere Touren und spielte unzählige Festival-Shows. „Wenn ich gehen muss“ ist der letzte Titel auf Tuas neuer Platte und hatte für den Rapper schon immer einen ganz besonderen Wert, den er mit dem neuen Video nun unterstrichen sieht: „Für mich war das eine unfassbar aufrüttelnde und intensive Erfahrung und hat meinen Geist ein bisschen größer gemacht und wenn davon nur ein Funken auf die Leute überspringt, die meine Musik mögen, dann bin ich schon mehr als glücklich.“


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