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Von Juju bis Yassin: Eine Chronologie der Solo-Releases im Deutschrap 2019

Das Deutschrap-Jahr 2019 begann mit einem Highlight: Yassin veröffentlichte sein erstes Solo-Album YPSILONEr klingt darauf „nicht wie die Hälfte eines Duos, die sich allein schwer tut, sondern wie ein starker Solorapper. Das liegt auch an der inhaltlichen Ausrichtung: Er wird persönlich und politisch, manchmal beides zugleich, ohne sich dabei zu wichtig zu nehmen oder zu gefühlig zu werden“, befand ME-Autor Ivo Ligeti in seiner Rezension.

Yassin war in den vergangenen Jahren ausschließlich mit seinem partner in crime Audio88 in Erscheinung getreten. Mit seinem Solodebüt setzte er den Startschuss für eine lange Solo-Release-Saison.

Hier eine (unvollständige) Chronologie der Deutschrap-Alleingänge 2019:

Yassin – „Ypsilon“

Yassins Solo-Debüt YPSILON erschien am 18. Januar 2019. Während sein kongenialer Partner Audio88 immer wieder munter Solo-Releases veröffentlichte, hielt Yassin sich lange Zeit zurück.

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Das Warten hat sich jedoch gelohnt. Der Berliner Rapper schafft auf seiner Soloplatte das, was für jedes andere Album eines Künstlers, der sonst im Kollektiv veröffentlicht, ein Solo-Maßstab sein sollte: Er klingt nicht wie „Der eine von“, sondern kreiert ein ganz eigenes Soundbild. Inhaltlich weisen die Texte viel mehr persönliche Bezüge auf, verlieren ihre politischen und gesellschaftlichen Referenzen jedoch nicht. Ein Alleingang, bestanden mit Bravour.

Tua – „TUA“

Am 22. März 2019 erschien eines mindestens innerhalb der HipHop-Szene meisterwarteten Soloalben der vergangenen zehn Jahre. Selbst Fans wussten mitunter kaum noch, warum oder worauf sie eigentlich warteten. Mit den Orsons veröffentlichte der Rapper und Produzent in der Zeit zwei Alben, ging auf mehrere Touren und spielte unzählige Festival-Shows. Als TUA dann endlich erschien, beantwortete die Frage nach dem „Warum“ sich von alleine.

Der Sound der Platte deckt so viele Genres und Bilder ab, dass man diese gar nicht alle benennen kann. Tua beweist, dass er einer der besten Produzenten und Texter im Deutschrap-Kosmos ist.

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Die Orsons zeichnete sowieso noch nie ein durchgehender monotoner Sound aus. Sie waren schon immer dafür bekannt, vier eigenständige Künstler innerhalb einer Gruppe zu sein. Mit ORSONS ISLAND erschien 2019 ihr fünftes Studioalbum. Tua ist somit der einzige Künstler in dieser Chronologie, der sowohl solo als auch mit Band dieses Jahr eine Platte raushaute.

Nura – „Habibi“

Am 29. März 2019 veröffentlichte Rapperin Nura mit HABIBI ihr Solodebüt.

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Seit 2016 veröffentlichte sie zusammen mit Rapperin Juju unter dem Namen SXTN eine EP und das Album LEBEN AM LIMIT. Nach nicht einmal zwei Jahren war die Band jedoch schon wieder Geschichte und die beiden Rapperinnen gaben an, von nun an nur noch solo Musik zu veröffentlichen.

Nura legte im Frühjahr vor und veröffentlichte ein Album, das ziemliche viele Tracks im klassischen Hit-Gewand lieferte, die sich thematisch zwischen Liebe, Sex, Zwischenmenschlichkeiten und Weed befanden.

Koljah – „Aber Der Abgrund“

Die Antilopen Gang selbst bezeichnete es kürzlich selbst als „Trotz“, dass Koljah seine neue Solo-EP veröffentlichte. Als Reaktion auf das Solo-Album seines Bandkollegen Danger Dan, das knapp ein Jahr vorher erschienen war.

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ABER DER ABGRUND erschien am 10. Mai 2019 und lässt sich durchaus als schwere Kost bezeichnen. Auf sieben Tracks konzipiert Koljah eine Welt voller Widersprüche, Verzweiflungen und verbitterter Weltanschauung.

Koljah ist wie Danger Da kein unbeschriebenes Blatt, was Sologänge betrifft. Große Überraschungen finden auf seiner aktuellen EP keinen Platz.

Die Antilopen Gang hat ihr neues Album ABBRUCH ABBRUCH für Anfang 2020 angekündigt. Auf ein Solo-Album von Panik Panzer wartet die Deutschrap-Welt bis heute. Vielleicht ist es 2020 ja so weit.

Juju – „Bling Bling“

Am 31. Mai 2019 zog Juju mit Nura gleich und veröffentlichte ebenfalls ihre Solo-Platte.

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Auch sJuju setzte sich inhaltlich und vom Soundbild her kaum von den bisherigen SXTN-Veröffentlichungen ab. Eine Besonderheit lieferte das Album trotzdem: Mit „Vermissen“ feat. Henning May holte sich die Berliner Rapperin nicht nur eine Goldene Schallplatte, sondern lieferte auch eine der kommerziell erfolgreichsten Deutschrap-Singles 2019 ab, die auch außerhalb der HipHop-Blase auf Zustimmung stieß.

Juju und Nura stellen in dieser Chronologie ein Novum dar: Anders als bei den anderen Künstlern darf nicht mehr damit gerechnet werden, dass ein Album im Kollektiv erscheinen wird.

Kummer – „Kiox“

Den musikalischen Deutschrap-Herbst 2019 läutete am 11. Oktober Kraftklub-Sänger Felix Kummer mit seinem Solo-Debüt KIOX ein.

Die Nähe zu HipHop war in der Karriere des Chemnitzer Musikers, der bisher vor allem durch drei Alben mit seiner Band durch die Decke ging, schon immer gegeben. Die ersten Veröffentlichungen brachte er um 2007 und 2008 mit der Rap-Combo Bernd Bass & Linus der Profi heraus. Auch bei Kraftklub rappt Kummer mehr, als dass er singt.

Inhaltlich wird Kummer jedoch, gerade was sozialkritische und gesellschaftliche Themen angeht, viel direkter und unironischer als im Kollektiv. KIOX ist eine Platte, die genau die Mitte zwischen persönlichen und politischen Perspektiven und Inhalten trifft.

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Kummers Alleingang tut ihm und seinem künstlerischen Schaffen hörbar gut. Zudem ist der Zeitpunkt clever gewählt: Mit Kraftklub erschienen bisher drei Alben und eine EP, sie spielten unzählige Touren und Festivalauftritte und organisieren seit 2013 das – ebenfalls hiphop-lastige – Kosmonaut Festival in Chemnitz.

Grim104 – „Das Grauen, das Grauen“

Am 31. Oktober 2019 veröffentlichte Rapper Grim104 seine zweite Solo-EP DAS GRAUEN DAS GRAUEN – über sechs Jahre nach der ersten.

Zusammen mit seinem Rap-Partner Testo bildet er das Duo Zugezogen Maskulin. Nachdem er 2013 seine Solo-EP veröffentlichte, die den gleichen Namen trug wie er, erschienen zwischen 2014 und 2018 die beiden Alben ALLES BRENNT und ALLE GEGEN ALLE im Kollektiv.

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Am 10. Oktober veröffentlichte Grim dann wieder eine Single („Graf Grim“) alleine und lieferte ein Musikvideo mit. Das wurde in Georgien gedreht und erinnert in seiner düsteren Machart und dem Inhalt des Songs selbstverständlich an einen alten Vampir-Film. Zum Release der Single kündigte er seine neue Solo-EP an.

Die erste Single und der Name der EP lassen auf eine Konzept-Platte schließen. Grim104 ist schließlich auch dafür bekannt, in seinen Texten eine düstere, pathetische, mitunter aggressive, schon fast surreale Welt zu erschaffen.

Sein neuer Alleingang überrascht nicht. Zugezogen Maskulin waren von Anfang an eine Band, die aus zwei waschechten Solo-Künstlern bestand.

Tarek K.I.Z – „Golem“

Anfang Oktober 2019 überraschte Rapper Tarek von K.I.Z die gesamte Deutschrap-Szene, als er sein erstes Soloalbum ankündigte. Am 13. Dezember soll GOLEM erscheinen. Damit endet das Jahr der Solo-Releases im Deutschrap mit einem Knall.

Kurz nach der Ankündigung des Albums erschien die erste Single „Kaputt Wie Ich“ mitsamt des dazugehörigen Musikvideos.

Damit ist Tarek der erste der drei Berliner Rapper von K.I.Z, der sich nach über 15 Jahren Bandgeschichte, fünf Alben und zwei Mixtapes dafür entscheidet, eine Solo-Platte zu veröffentlichen.

Tarek war neben Maxim und Nico, schon immer der eigenwilligste Künstler von K.I.Z. Er landete stets die meisten Solo-Tracks auf ihren Alben und fand oft einen eigeneren thematischen Schwerpunkt. Wo die anderen beiden meist fiktive Szenarien in ihren Texten kreierten, packte Tarek relativ viele persönliche Bezüge in seine Texte – ohne den typischen K.I.Z-Humor vermissen zu lassen, klar.

Auch die neue Single und der Name des Albums lassen vermuten, dass sich das Album von den bisherigen K.I.Z-Releases abheben wird und Tarek sein eigenes Soundbild kreiert. Soloplatten von Maxim und Nico dürfen trotzdem gerne folgen.

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