Warum „Victoria“ 2016 keinen Oscar gewinnen darf

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Es gibt sie wirklich: Menschen, die bei Filmen mitzählen, wie viele Wörter in welcher Sprache gesprochen werden. Das nämlich war von großer Bedeutung, als es um die Entscheidung ging, welche Produktion Deutschland bei der Auswahl für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film vertreten würde. Sebastian Schippers „Victoria“ hatte zu diesem Zeitpunkt auf der Berlinale einen Bären gewonnen, war mit sechs Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet worden und wurde vom Großstadtpublikum in den Kinos zum Erfolg gemacht.

Seht hier den Trailer zum Film:

VICTORIA | Trailer deutsch german [HD] auf YouTube ansehen

Für die Oscar-Vorauswahl war der revolutionäre, in einer einzigen Einstellung gedrehte Film dann doch tabu, weil sich der englische Sprachanteil auf 49 Prozent belief, er in dieser Kategorie aber maximal 40 Prozent englischen Sprachanteil vorweisen darf. Auch nur halb ernst gemeinte Einwürfe, dass man das Kauderwelsch der vier Berliner Jungs in „Victoria“ nicht allen Ernstes als Englisch bezeichnen könne, stießen auf taube Ohren: In die Auswahl wurde der konventionelle, erwartbare „Im Labyrinth des Schweigens“ – der Film über die Vorgeschichte des Frankfurter Auschwitzprozesses – geschickt.

„Victoria“ muss sich damit bescheiden, weltweit als Beispiel eines neuen deutschen Films ohne Grenzen gefeiert zu werden – eine Erinnerung daran, dass hierzulande nicht alles Schweiger, Schweighöfer, Herbig ist, sondern Kino auch heute noch pures Adrenalin sein kann. Man muss sich nur trauen und vorher nicht lange darüber debattieren, wer was wie lange in welcher Sprache sagt. Hauptdarsteller Frederick Lau jedenfalls wird für seine Tour de Force als neuer Marlon Brando gefeiert, und Sebastian Schipper setzt die Segel Richtung USA: Er wird die Memoiren der Terrorexpertin Jessica Stern verfilmen. Schweiger, Schweighöfer, Herbig bleiben dem deutschen Kino erhalten.


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