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Wes Anderson: Die Welt neben der Spur

Die Autorentheorie. Wisst ihr Bescheid. Geht zurück auf André Bazin und eine Gruppe junger französischer Filmkritiker, darunter François Truffaut und Jean-Luc Godard. Formuliert 1957 in den „Cahiers du Cinéma“, argumentiert sie, dass der Regisseur und nur der Regisseur die künstlerische Triebfeder eines Films ist. Auf diese Weise wollten die jungen Himmelsstürmer die Arbeit von geschätzten Filmemachern im Hollywood-Studiosystem aufwerten, die sie nicht als einfache Handwerker oder Angestellte ansahen, sondern als ernst zu nehmende Künstler mit unverkennbarer Handschrift und klar umrissenen Vorlieben und Themen. Unterstützt von amerikanischen Kritikern wie Andrew Sarris und ihrer eigenen Herangehensweise in den Filmen der Nouvelle Vague, hält sich die Theorie, oftmals angegriffen und angefeindet, auch mehr als 60 Jahre später noch wacker.

Immer wieder Trackingshots

Wenn wir von einem Film sprechen, identifizieren wir ihn automatisch als Werk des jeweiligen Regisseurs: „Ein Film von…“! Wes Anderson ist das beste Argument, das die Autorentheorie im Jahr 2018 haben könnte. Seine Filme entspringen unverkennbar ein und demselben Gehirn, tragen eine große Handschrift. Ein Blick auf eine einzige Einstellung reicht, um den Texaner als ihren Urheber zu identifizieren. Andersons Person ist untrennbar verbunden mit der Schöpfung von Figuren wie den Royal Tenenbaums, Max Fischer, Steve Zissou oder Herman Blume. Verdammt, sein eigener Geburtsname, Wesley Wales Anderson, klingt so literarisch und verquast und hochgestochen, als könne er eine Hauptrolle in einem seiner Filme spielen, die bevölkert sind von Figuren, die klingende Namen tragen wie Guggenheim oder Mapplethorpe, und sich ergehen in zahllosen Anspielungen auf andere Filme und Romane und Platten. Ein Spiegelsaal der Selbstreferenzialität, durch den sich die Kamera von Robert D. Yeoman – Andersons Kameramann in all seinen Spielfilmen, beginnend mit dessen Debüt „Bottle Rocket“ (den blöden deutschen Titel „Durchgeknallt“ ignorieren wir, wie auch den blöden deutschen Titel „Die Tiefseetaucher“ für „The Life Aquatic with Steve Zissou“, einverstanden?) im Jahr 1996 – in immer neuen Variationen des gleichen stoischen, flachen Trackingshots bewegt.



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