Top 5

Wes Anderson: Das sind die besten Filme des Ausnahme-Regisseurs

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Wes Anderson ist nicht bloß einer der begnadetsten Drehbuchautoren und Regisseure des 21. Jahrhunderts – er ist sein eigenes Genre. Perfekte 90-Grad-Kameraperspektiven, skurrile Figuren und liebevoll arrangierte Kompositionen von verworrenen Geschichten definieren jedes Werk des amerikanischen Filmemachers. Bei kaum einem Regisseur stehen die A-Liga-Schauspieler*innen von Hollywood so Schlange, um eine Rolle (oder auch nur bloß einen Cameo-Auftritt) in einem Film zu ergattern. Sein jüngstes Werk „The French Dispatch“ mit Timothée Chamalet, Bill Murray, Tilda Swinton, Owen Wilson, Léa Seydoux und Frances McDormand wurde kürzlich aufgrund der Coronavirus-Pandemie auf nächstes Jahr verschoben – bis dahin bleibt demnach genug Zeit, um die Filmographie von Wes Anderson ein weiteres Mal abzuarbeiten. Welche fünf Filme dabei auf keinen Fall fehlen dürfen, könnt Ihr hier nachlesen.

5. Darjeeling Limited

Drei Brüder, ein verstorbener Vater, eine entfremdete Mutter, die ein christliches Kloster in Indien leitet und eine Reise zur Selbstfindung. Wes Anderson selbst erzählte einst über seinen Film „Darjeeling Limited“ aus dem Jahr 2007, ihn habe die Idee von einem Film in einem Zug schon lange gereizt: „Ich wollte schon immer einen Film im Zug drehen, weil mir die Idee eines bewegten Ortes gefällt. Er geht vorwärts wie die Geschichte vorwärts geht.“

In „Darjeeling Limited“ organisiert Francis (Owen Wilson) eine Wiedervereinigung mit seinen jüngeren Brüdern Peter (Adrien Brody) und Jack (Jason Schwartzman), die sich seit dem Tod ihres Vaters nicht mehr gesehen haben. Um die Geschwister wieder näher zueinander zu bringen, unternehmen die drei nach Francis‘ Anleitung Ausflüge, führen Rituale durch und blamieren sich dabei nicht nur gegenseitig, sondern auch vor den irritierten Einheimischen. Erst eine dramatische Rettungsaktion lässt die drei Brüder ein neues Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft verspüren – sowohl in Bezug auf sich selbst, ihre Eltern und das Land, in dem sie sich befinden.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zwar gar nicht so hoch gelobt, hat sich „Darjeeling Limited“ jedoch zu einem modernen Klassiker entwickelt, der den Grundstein für spätere Meisterwerke von Wes Anderson wie „Moonrise Kingdom“ und „The Grand Hotel Budapest“ gelegt hat. Die Farben, die Dynamik, der trocken-abstruse Humor – all das macht „Darjeeling Limited“ zu einem wahren Anderson-Film.

4. Der fantastische Mr. Fox

„Der fantastische Mr. Fox“ ist die Art von Überraschung, die man nicht kommen sieht. Wer hätte sich auch denken können, dass Wes Anderson das Genre von Stop-Motion-Filmen mit nur einem Werk gänzlich neu erfindet? Der auf dem gleichnamigen Roman von Roald Dahl basierende Animationsfilm erzählt die Geschichte von Mr. Fox (im Original gesprochen von George Clooney), der mit seiner Frau Mrs. Fox (Meryl Streep), ihrem gemeinsamen Sohn Ash (Jason Schwartzman) und Cousin Kristoffersen (Eric Chase Anderson) ein friedliches Leben führt – jedenfalls bis zu dem Moment, als ihn die benachbarten Bauern Walter Boggis, Nathan Bunce und Franklin Bean beim Hühnerklauen erwischen. Kurzerhand entwickeln die drei Landwirte den Plan, die Füchse zur Strecke zu bringen, wodurch eine rasante Verfolgungsjagd beginnt, die mit einer Flucht mehrerer Tiere in die Kanalisation endet.

Wes Anderson entschied sich bei dem Film für den traditionellen Stop-Motion-Stil, der die Nutzung von je gedoppelten zwölf Bildern pro Sekunde beinhaltet. Ein Mittel, dass sich ausgezahlt hat: „Der fantastische Mr. Fox“ brilliert vor allem aufgrund seiner Rohheit und seines ungeschliffenen Charmes. Der Film, der im Jahr 2010 zudem für einen Oscar als Bester Animationsfilm nominiert war, fungierte dementsprechend als Sprungbrett für eine neue künstlerische Richtung des Regisseurs, die durch den 2018 erschienen Film „Isle Of Dogs – Ataris Reise“ noch weiter verfolgt wurde.

3. Moonrise Kingdom

Eines Morgens erscheint der nerdige Pfadfinder Sam (Jared Gilman) nicht zum Appell und so entwickelt sich eine abstruse Verfolgungsjagd unter der Leitung von Aufseher Ward (Edward Norton) und Inselpolizisten Sharp (Bruce Willis). Auf einem Rhode Island im typischen Wes-Anderson-Retro-Chic treibt die Suche die Handlung von „Moonrise Kingdom“ voran. Doch was den Film aus dem Jahr 2012 eigentlich motiviert, ist die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen den zwei heranwachsenden Zwölfjährigen Sam und Suzy (Kara Hayward).

Sam und Suzy haben vor allem gemeinsam, dass sie sich nicht von der Welt verstanden fühlen. Was zuerst eine Brieffreundschaft war, wird Realität als sie – zur großen Liebe entschlossen – mit Batterie-Plattenspieler und einer Katze in der Transportbox zusammen wegrennen. Nach der Flucht endlich zur Rast gekommen, tanzen sie in ihrem idyllischen Zeltlager zum Sound ihres Kofferplattenspielers einen wunderbar euphorischen Freiheits-Boogie-Woogie. Für ME-Redakteurin Annett Scheffel einer der 10 schönsten Vinyl-Momente.

Die Lage spitzt sich vor der Kulisse eines hereinbrechenden Unwetters zu. Als Teil der (eigentlich gewaltfreien) Rettungsaktion bewaffnen sich die Pfadfinder, was in einem Gefecht mit dem flüchtigen Liebespaar endet. Regisseur Wes Anderson führt die Absurditäten der Erwachsenenwelt in jeglicher erwachsenen Figur vor und hält im selben Moment die Kamera auf die beiden Helden, die selbst mit den Hürden des Erwachsenwerdens zu kämpfen haben.

2. The Royal Tenenbaums

Der Quotensprenger unter den Wes-Anderson-Filmen. Nachdem der Filmemacher in den 1990er-Jahren bereits mit mehreren Kurzfilmen, Werbespots und ersten Spielfilmen wie „Durchgeknallt“ (1996) und „Rushmore“ (1998) aufwarten konnte, gelang ihm mit „The Royal Tenenbaums“ im Jahr 2001 ein Kunstgriff. Nicht nur die subtil komische und doch melancholische Atmosphäre, auch die schwarzhumorige Darstellung einer aus dem Ruder gelaufenen bürgerlichen Familie macht „The Royal Tenenbaums“ bis heute zu einem von Andersons relevantesten und besten Werken.

Als Royal Tenenbaum (Gene Hackman) nach einigen Jahren der Trennung zu seiner Familie zurückkehrt, erkennt dieser seine (Ex-)Frau Etheline (Anjelica Huston) und deren gemeinsame drei Kinder Richie (Luke Wilson), Margot (Gwyneth Paltrow) und Chas (Ben Stiller) nicht wieder: Die früher so intelligenten und athletischen Sprösslinge haben sich zu neurotischen Menschen entwickelt und seine frühere Frau plant, den Steuerberater Henry Sherman zu heiraten. Kurzerhand täuscht Tenenbaum eine Krebserkrankung vor, um seiner Familie wieder näher zu kommen – mit ungeahnten Folgen. Bei einer Umfrage der BBC erreichte der Film sogar den 68. Platz der 100 bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts.

1. Grand Budapest Hotel

„Grand Budapest Hotel“ erzählt die Geschichte des Concierge Monsieur Gustave H. (Ralph Fiennes) und seinem Protegé Zéro Moustafa (Tony Revolori), der im Jahr 1932 seine Ausbildung als „Lobby Boy“ im besagten Hotel beginnt. Alsbald werden beide in einem Mordfall verwickelt, als der frauenumwerbende Gustave das Erbe der alten und schwerreichen Madame D. (Tilda Swinton) erhalten soll, die allerdings unter mysteriösen Umständen gestorben ist. Gemeinsam mit Zéros Geliebten Agatha (Saoirse Ronan) müssen die zwei daraufhin vor dem Auftragskiller J. G. Jopling (Willem Dafoe) und Madame Ds Sohn, Dmitri Desgoffe (Adrien Brody), fliehen, um sowohl sich selbst als auch das vererbte Gemälde „Jüngling mit Apfel“ in Sicherheit zu bringen.

„The Grand Budapest Hotel“ vereint alle besonderen Elemente, klugen Handgriffe und Weirdo-Einfälle von Wes Anderson in einem umwerfenden Werk. Sei es die ausgeschmückte Storyline, die ineinander verwobenen Erzählebenen, die visuellen Details oder die kinematographische Raffinesse – all die Preise, mit denen der Film aus dem Jahr 2014 überhäuft wurde, sind mehr als gerechtfertigt. Dazu überzeugt das Werk mit einer fantastischen Besetzung, darunter Ralph Fiennes als der arrogant-charmante Gustave H., Tony Revolori als der naive Lobby Boy Zéro Moustafa oder Adrien Brody als eifersüchtiger und gieriger Erbspross.


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