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Meinung

Wir haben uns Eva Hermans „Interview“ mit Xavier Naidoo in voller Länge gegeben – und es ist genauso gaga, wie Ihr denkt

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Eva Herman hat Xavier Naidoo interviewt. Das wäre vor 20 Jahren noch keine Nachricht wert gewesen, im Jahr 2020 sollte es erst recht keine sein. Die einstige „Tagesschau“-Sprecherin Herman, die dank ihres ehemaligen Jobs eigentlich einen unerschütterlichen Glauben in Demokratie, unabhängigen Journalismus, den deutschen Rechtsstaat und sein Grundgesetz haben müsste, hat vor ungewisser Zeit all das über Bord geworfen. Erst fiel sie mit sehr konservativen Meinungen auf, Frauen zurück an den Herd und so. Es folgten weitere verbale und niedergeschriebene Totalausfälle, Zusammenarbeiten mit dem Kopp Verlag, RT Deutsch und der „Wissensmanufaktur“, einem verschwörungstheoretischen YouTube-Kanal, mit dessen Betreiber Andreas Popp die 62-Jährige praktischerweise liiert ist.

Auf eben jenem Kanal ist nun auch ein 45-minütiges Interview namens „Wir erleben die letzten Atemzüge der BRD“ mit dem in den von ihm und seinesgleichen so kritisierten Mainstreammedien aka Lügenpresse in Ungnade gefallenen Xavier Naidoo erschienen. Ein Gipfeltreffen der Aussätzigen, wenn man so will, und die beiden Protagonisten wollen es ja selbst nicht anders: Herman begrüßt im Videotelefonat Naidoo als alten Bekannten, mit dem sie „vor vielen Jahren“ schon auf ARD-Bühnen gestanden habe und sie beide ja inzwischen „aus dem System herausgeflogen wurden“ (sic!). Sie stellt ihm zum Auftakt die von ihr selbst beantwortete Frage, ob Naidoo gerade den entscheidenden Schritt aus „dem System“ tue, wie sie es selbst schon tat. Naidoo: „Mir war klar, dass ich mit dem System früher oder später clashen würde, wegen meiner Meinung und der Lieder die ich schreibe. Wegen denen habe ich es aber auch immer wieder hereingeschafft.“


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Wenig überraschend: Genau so selbstreferentiell, vage und apokalyptisch geht das Geplänkel weiter. Ein Interview im eigentlichen Sinne, also mit kritischem Hinterfragen, der Einnahme von Gegenpositionen oder wenigstens der erkennbaren Absicht, irgendetwas Neues in Erfahrung zu bringen, erleben wir hier nicht. Eva Herman interviewt Xavier Naidoo – das ist in etwa so, als ob Alexander Gauland Björn Höcke interviewen würde. Verfechter der angeblichen Wahrheit bestätigen sich selbst.



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