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Kritik

„ZeroZeroZero“ Staffel 1 auf Sky: „Breaking Bad“ in realistisch

Es beginnt mit Altbekanntem: Irgendwo in einem Wald in Kalabrien steigt ein schlecht gealterter, halbblinder Mafioso aus seinem unterirdischen Versteck. Nach Jahren des Untertauchens möchte Patriarch Don Damiano „Minu“ La Piana (Adriano Chiaramida) ein letztes großes Ding drehen, um das Ansehen der eigenen und konkurrierender Familien des ‚Ndrangheta-Clans zurückzugewinnen. Dazu plant er mehrere Tonnen Kokain zu erwerben, deren Verkauf bis zu 900 Millionen US-Dollar einbringen soll. Enkel Stefano (Giuseppe De Domenico) möchte den Wiedereinstieg der Familie ins Drogengeschäft verhindern und torpediert kurzerhand die Geldübergabe. Eine typische Vendetta-Dynamik entspinnt sich, wie wir sie zuletzt bei Martin Scorseses „The Irishman“ gesehen haben.

Mit ebenso erprobtem Serienstoff werden wir nach dem ersten Ortswechsel konfrontiert: In Monterrey, Mexiko, wo die Droge hergestellt und zur Verschiffung in Jalapeño-Konserven verpackt wird, hat das Kartell der Leyra-Brüder dank ausschweifender Gewalt und großflächiger Bestechung nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Polizei und sogar militärische Spezialeinheiten unter seiner Kontrolle. Die skrupellose Schattenherrschaft der Narcos also, wie man sie wiederum aus der gleichnamigen Netflix-Produktion kennt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit dieser Storyline steht Manuel Contreras (Harold Torres). Nach außen gibt er sich als überengagierter Sergeant einer der besagten Spezialeinheiten, in Wirklichkeit entpuppt er sich schnell als Maulwurf. Mit deutlichem Hang zum Größenwahn versteht er sich als göttliches Instrument im Kampf für das Drogengeschäft und plant, selbst Kopf des Ganzen zu werden.

Die Droge, die die Welt(-wirtschaft) im Innersten zusammenhält

Während die erste Staffel der Sky-Serie „ZeroZeroZero“ in diesen ersten beiden Strängen stets droht in Klischees und stereotype Charaktere abzurutschen, wird mit der dritten Perspektive eine ganz andere – und entsprechend auch die interessanteste – Akteursgruppe im Drogenbusiness eingeführt. In New Orleans ist Familie Lynwood als Mittler zwischen Ver- und Ankäufer aktiv. Vor allem Vater Edward (Gabriel Byrne) behandelt die Verschiffung des Kokains von Mexiko nach Italien als „business as usual“. Gemeinsam mit Tochter Emma (Andrea Riseborough) und Sohn Chris (Dane DeHaan) bilden sie die hyperkapitalistische Vorzeigefamilie, die keinen Unterschied macht, was in den Containern steckt, mit denen sie handelt. Ware ist Ware – je mehr Geld sie einbringt, desto besser ist sie.

Sky Deutschland


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