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Kritik

„1917“ im Kino: Ein technisches Wunderwerk ohne Schnitt

In „Zwei glorreiche Halunken“ von Sergio Leone gibt es eine Sequenz, in der Clint Eastwood und Eli Wallach einem sterbenden Leutnant der Yankees einen letzten Wunsch erfüllen und in einem Himmelfahrtkommando eine hart umkämpfte Brücke sprengen wollen. „So ein Blödsinn. Krepieren alle. Und für was?“, raunt Eastwood und fasst zusammen, was das Kino seit Anbeginn über den Krieg zu erzählen hat. Sam Mendes hat aus dieser Vignette von Leone nun einen ganzen Film gemacht, der während des Ersten Weltkriegs spielt, an dem historisch unbedeutenden 6. April 1917.

Inspiriert von Geschichten seines Großvaters erzählt er von zwei jungen englischen Soldaten, die von ihrem Schützengraben aus eine Botschaft durch das Niemandsland tragen sollen, etwa zehn Kilometer, um eine britische Kompanie zu warnen, einen geplanten Sturm abzublasen – sie würden in eine Falle der Deutschen tappen. Der Clou des Films liegt in seiner Umsetzung: Der Todesmarsch der beiden Soldaten findet in Realzeit statt, mit einer Ausnahme ohne erkennbaren Schnitt. Als technisches Wunderwerk, von Kameramann Roger Deakins in Bilder verpackt, die einen fortwährend staunen lassen, weil man sich fragt, wie er das gottverdammt noch einmal gemacht hat, ist „1917“ ohne Beispiel.

Inhaltlich und tonal liegen Vergleiche mit „Dunkirk“ nahe, oder mit „The Revenant“. Tatsächlich findet sich gerade in den unerbittlichsten Momenten eine große Poesie, die den Film in die Nähe von „Im Westen nichts Neues“ rückt. Die Erzählung ohne Schnitt bindet den Zuschauer nämlich nicht immersiver in die Handlung ein. Vielmehr entsteht eine emotionale Distanz, als bewegte man sich durch einen Albtraum, der nicht enden will, so oft man auch blinzeln mag.

4½/6 Sterne

„1917“, von Sam Mendes, Großbritannien 2019, mit George MacKay, Dean-Charles Chapman, Andrew Scott, Kinostart: 16. Januar 2020


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